Zuckerl für Pensionskassen

31. August 2001, 19:07
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Wirtschaftsminister Bartenstein will höhere Förderungen durchsetzen

Wien - Die private Pensionsvorsorge soll stärker gefördert werden. Ab 2002 könnten Arbeitnehmer bis zu 1000 Euro (13.760 Schilling) steuerlich begünstigt in eine betriebliche Pensionskasse einzahlen können, und zwar unabhängig von den Arbeitgeberbeiträgen. Bisher konnte nur jener Betrag geltend gemacht werden, den auch der Arbeitgeber einzahlt. Der Gesetzesentwurf von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein ging am Freitag in Begutachtung.

Derzeit gibt es vier Formen privater Pensionsvorsorge, die der Gesetzgeber fördert. Neben der privaten Pensionszusatzversicherung sind dies der Pensionsinvestmentfonds, die freiwillige Höherversicherung im Rahmen der gesetzlichen Pensionsversicherung und Arbeitnehmerbeiträge zur betrieblichen Pensionskasse. Die staatliche Förderung erfolgt derzeit analog der Bausparprämie. Diese beträgt derzeit 4,5 Prozent der Einzahlung oder 619 Schilling. Weitere 750 Schilling können im Rahmen des Arbeitnehmerabsetzbetrags von der Steuer abgesetzt werden. Insgesamt fördert der Staat damit die private Pensionsvorsorge mit bis zu zehn Prozent der jährlichen Beitragseinzahlungen.

Bei der betrieblichen Pensionskasse können aber derzeit nicht auf jeden Fall tausend Euro jährlich geltend gemacht werden, sondern nur derselbe Betrag, den der Arbeitgeber einzahlt. Bei weniger als tausend Euro kann damit der Arbeitnehmer nicht die maximale Förderung in Anspruch nehmen, selbst wenn er freiwillig mehr in die Pensionskasse einzahlt.

"Ein wenig ungerecht"

Bartenstein sagte, dies sei "ein wenig ungerecht" im Hinblick auf die Arbeitnehmer, die weniger verdienen. Das soll geändert werden. Künftig sollen jedenfalls auch tausend Euro pro Jahr in die betriebliche Pensionskasse eingezahlt werden können, und das steuerbegünstigt. Da auch der Finanzminister eingebunden sei und die "Sozialpartner ein Ja signalisiert" hätten, stehe einer erfolgreichen Begutachtung der Novelle zum Betriebspensionsgesetz nichts im Weg.

Die betrieblichen Pensionskassen gelten in Österreich trotz ansehnlicher Zuwachsraten immer noch als Stiefkinder des Vorsorgemarktes. Sie konnten sich im Jahr 2000, dem zehnten Jahr ihres Bestehens, über einen Zuwachs bei den Anwartschaft- und Leistungsberechtigten um 23 Prozent auf 284.000 freuen.

Das verwaltete Vermögen belief sich zu Jahresende 2000 auf 110 Mrd. S (7,99 Mrd. Euro). Das schwache Aktienjahr schlug sich bei den Renditen nieder, die durchschnittliche Performance verschlechterte sich auf acht Prozent nach 13,5 Prozent 1999. (APA, DER STANDARD, Printausgabe 1.9.2001)

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