"Gegen übelste Elemente"

31. August 2001, 16:40
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UNO-Generalsekretär Kofi Annan: Ein Konferenzende ohne Einigung stärke die "übelsten Elemente der Gesellschaft"

"Die Zeit ist reif, Rassismus weltweit zu verurteilen." Mit diesen Worten eröffnete Kofi Annan am Freitag in der südafrikanischen Hafenstadt Durban die UNO-Weltkonferenz gegen Rassismus. Mit Blick auf den Streit zwischen Israelis und Palästinensern, der die Vorbereitungen der Konferenz überschattete, appellierte er an die Delegierten aus mehr als 150 Staaten, den Blick auf die weltweiten Probleme zu richten und die´Streitigkeiten zu beenden, gegenseitige Beschuldigungen seien nicht das Ziel der Konferenz.

Unter den Teilnehmern sind auch Delegationen aus den USA und Israel, jedoch keine hochrangigen Politiker. US-Außenminister Colin Powell hatte seine Teilnahme an der Konferenz wegen umstrittener Formulierungen im Text der Abschlusserklärung abgesagt, die von den USA und Israel als antisemitisch bezeichnet wurden.

Die entsprechende Passage,die den Zionismus als treibende Kraft des israelischen Staates mit Rassismus gleichsetzt, sei längst umformuliert worden, meinte die UN-Menschenrechtskommissarin Mary Robertson. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen äußerte Verständnis, dass Juden, die den Holocaust überlebten und heute noch antisemitischen Angriffen ausgesetzt seien, eine "starke Abwehr" gegen Rassismus-Vorwürfe empfinden.

Trotzdem könne man von den Palästinensern nicht erwarten, dass das Unrecht, das ihnen geschehe, deshalb ignoriert würde, "mit welchen Begriffen auch immer" man dies beschreibe.

"Wild und primitiv"

Der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki erinnerte in einer sehr emotional gehaltenen Rede an die Hoffnungen, die Menschen in aller Welt mit dieser Konferenz verbinden. "Wir haben uns hier versammelt, weil wir gemeinsam dafür kämpfen wollen, dass jeder Mensch ein Leben in Würde führen kann." Durban sei der richtige Ort, um zu erkennen, dass Menschen erniedrigt werden, "weil sie nicht weiß sind". Ihre Kultur und Traditionen würden als "wild und primitiv" verachtet, und sie lebten immer noch in tiefer Armut.

Die Vereinten Nationen hatten Südafrika als Anerkennung für den friedlichen Wandel und die Überwindung der Apartheid zum Gastgeberland der Antirassismus-Konferenz gewählt. Mbeki forderte die Delegierten auf, sich "gegen jede Form von Unterdrückung und Diskriminierung" zur Wehr zu setzen. "So wie wir gegen den Rassismus der Apartheid aufgestanden sind, so gilt es heute die Folgen von Sklaverei, Kolonialismus und Rassismus zu bekämpfen, die bis heute das Leben von Milliarden Menschen bestimmen."

Österreich wird bei der UNO-Konferenz durch den Generalsekretär im Außenministerium, Albert Rohan, vertreten. Österreich wird sich laut Rohan nicht für eine vor Beginn der Konferenz heftig umstrittene Gleichstellung von Zionismus und Rassismus oder die Forderung afrikanischer Staaten nach Entschädigungen für die Kolonialisierung engagieren. (DER STANDARD, Print, 1.9.2001)

Standard-Korrespondentin Susanne Bittorf aus Durban
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