"Bildungscluster" und sechsjährige Realschule

31. August 2001, 14:36
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Das Wirtschaftsgespräch ist zu Ende gegangen

Alpbach - Für die Einführung eines "Bildungsclusters" und das Modell der sechsjährigen Realschule hat sich Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl beim Forum Alpbach ausgesprochen. Alle Instanzen im Bildungsbereich - Bund, Länder, Arbeitsmarktservice AMS, Bildungsinstitutionen der Sozialpartner und private Anbieter - sollten gemeinsam ein "kooperatives Netzwerk aller Bildungsverantwortlichen" formen und ihre Aktivitäten in ein Netzwerk einspeisen, das Synergien bringt.

Schon Anfang 2002 könnte dieses Modell verwirklicht sein. Ansätze dafür gebe es bereits in Oberösterreich und Kärnten, sagte Leitl zum Ausklang des diesjährigen Alpbacher Wirtschaftsgesprächs mit dem Schwerpunkt Weiterbildung.

Mit einem Cluster ließe sich die Zusammenarbeit von Bildungsanbietern in Österreich verbessern, erwartet Leitl, der auch mit einer Verschiebung von Bildungsinvestitionen von der Erstausbildung hin zur Weiterbildung rechnet. Die Bildungsangebote ließen sich damit künftig gemeinsam planen und übersichtlich darstellen. Die Wirtschaftskammer drängt auf mehr Durchlässigkeit im Bildungssystem, die bestmögliche Auslastung aller Ressourcen, die schnelle Anpassung von Bildungsangeboten sowie insbesondere auf wesentlich verbesserte Berufsinformationen für eine systematische und konsequente Berufsentscheidung. Auch der Wissenstransfer zwischen Forschungseinrichtungen und Betrieben solle forciert werden.

Wohlstandsverlust

Der Schulterschluss im Bildungsbereich sei auch aus demographischen und volkswirtschaftlichen Gründen wünschenswert: Ein Mangel beim "Produktionsfaktor Humankapital" bedeute drohenden Wohlstandsverlust und das Abwandern von Aufträgen ins Ausland. Die Zahl der Taferlklassler werde heuer erstmals unter 100.000 sinken, im Jahr 2020 werde der Anteil der 45-bis 65-Jährigen bereits 45 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Die 25.000 fehlenden Fachkräfte in Österreich würden die Wirtschaftsleistung gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) um mehr als 18 Mrd. S (1,308 Mrd. Euro) drücken, rechnete Leitl vor.

Das Modell einer mittleren Reife in Form einer sechsjährigen Realschule könnte besonders in den Ballungszentren die Haupt- und Polytechnischen Schulen aufwerten. Damit werde einem Wunsch der Betriebe nach mehr Lehrlingen mit einer umfassenden Allgemeinbildung entsprochen. Bei einem Treffen mit Bildungsministerin Elisabeth Gehrer sollen im Herbst neue Angebote für das österreichische Bildungssystem entstehen. (APA)

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