Von der Blutoper bis zur Bachmann-Performance

31. August 2001, 14:27
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Was die Herbstsaison im dietheater wien bringt

Wien - Die Saison-Präsentation der Off-Szene-Plattform "dietheater" im Wiener Künstlerhaus stand unter dem Motto "um die Wahrheit ist es doch noch nie gegangen" - ein Motto, das, so dietheater-Leiter Christian Pronay, zwar der "aktionstheater"-Produktion "giordano b ketzer" entlehnt worden wäre, aber wunderbar auf die jetzige politische Situation passe: "Die politische Wirklichkeit hat mit Wahrheit nichts zu tun, sie instrumentalisiert sie bestenfalls."

Zahlen

Ob das Motto auch die eingangs präsentierte Besucherstatistik des Jahres 2000 - über 13.000 Besucher und fast 60 Prozent Auslastung im Künstlerhaus-Theater, 6.700 Besucher und rund 68 Prozent Auslastung im Konzerthaus-Theater - betreffe, ließ Pronay offen. Im Künstlerhaus hätte man zunächst sehr unter dem herrschenden Baustellen-Chaos zu leiden gehabt, konnte aber durch eine Reihe von Maßnahmen bereits im ersten Halbjahr 2001 mehr Zuschauer anlocken als im Gesamtjahr 2000. Auch im Theater selbst werde man umbauen: Mit voraussichtlich drei Jahrestranchen zu je 1,5 Millionen ermögliche die Stadt Wien die Verbesserung der technischen Ausstattung und den behindertengerechten Umbau des Foyers. Die Eröffnung des "Tanzquartier Wien" begrüßte Pronay ausdrücklich: "Wir sind sicher, dass das Interesse am Tanz dadurch wachsen wird."

Bei der anschließenden Präsentation des Herbst-Spielplanes bewies man basisdemokratische Offenheit und ließ beinahe jede gastierende Gruppe ihr geplantes Projekt vorstellen - eine Demonstration der Vielfalt an dramaturgischen wie ästhetischen Herangehensweisen. Im Künstlerhaus eröffnet die "spell"-Trilogie des Aktionstheaters (ab 1.9.) die Saison. Für danach versprach Daniel Aschwanden "Einen Haufen Schund nach Shakespeare": In einer Koproduktion widmen sich die Gruppen "toxic dreams" und "Bilderwerfer" als work in progress (zu vom Publikum selbst festzusetzenden Eintrittspreisen) zunächst einmal dem ersten Akt des "Titus Andronicus" (ab 27.9.), mit "14 Morden, 9 davon live, sechs abgetrennten Penissen, drei Vergewaltigungen und 15 Litern Blut." Das sei aber noch nicht alles, versprach Aschwanden: "Wir sind noch mit einer Dogge und einem Pferd in Verhandlung."

Festivals

Neben zahlreichen weiteren Gastspielen und Koproduktionen (Pronay: "Koproduktionen werden immer wichtiger") stehen auch einige kleinere Festivals ins Haus: Von 11. bis 13.10. gibt es bei "Musiconmusic" der Wiener Musik Galerie sechs Uraufführungen von Musikern zwischen Jazz-Tradition und Improvisation ("kein Mainstream, auch kein Mainstream der Avantgarde", versprach Franz Koglmann), "?moment!" widmet sich von 1. bis 3.11. dem Improvisationstheater, die fünfte Auflage von "Die Macht des Staunens" vom 7. bis 18.11. dem Figuren- und Puppentheater für Erwachsene. Im Konzerthaus-Theater beginnt die Saison am 6.9. mit Claudia Maders Performance "Undine" nach Ingeborg Bachmann. Unter den zahlreichen Produktionen findet sich u.a. die Österreichische Erstaufführung "Misterman" von Enda Walsh (ab 6.11.) durch das theater enigma. (APA)

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