Wenn die Staatsoper zur Scala wird

31. August 2001, 14:18
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Richard Hamilton gestaltete den Eisernen Vorhang für die Saison 2001/02

Wien - Das Publikum, der Dirigent und die Orchestermitglieder der Mailänder Scala blicken in dieser Saison ins Publikum der Wiener Staatsoper. Der britische Pop-Art Künstler Richard Hamilton hat mit seinem Großbild, das in der am Samstag anlaufenden Saison 2001/02 den Eisernen Vorhang der Wiener Staatsoper bedeckt, für diese Begegnung gesorgt: mit einer Fotografie, die den festlich geschmückten Zuschauerraum der Scala zeigt.

Die Wahl der Jury für die nun im vierten Jahr laufende Vorhang-Bedeckungsaktion des museum in progress (Kasper König, Hand-Ulrich Obrist, Nancy Spector) fiel diesmal auf einen international renommierten Kunststar. Richard Hamilton, 1933 in London geboren, holte 1993 auf der Kunstbiennale Venedig als Vertreter seines Landes den Goldenen Löwen nach Großbritannien. Er war 1968 und 1997 auf der Documenta IV und X in Kassel vertreten, und kann auf Ausstellungen an den besten Adressen zurückblicken: Tate Galerie, Guggenheim New York, Nationalgalerie Berlin. Als Organisator der großen Marcel Duchamp Retrospektive der Tate Gallery (1966), für die er auch Duchamps "Großes Glas" rekonstruierte, auch als Herausgeber einer typografischen Version von Duchamps "Green Box" , ist er ein ausgewiesener Experte für diese Zentralfigur der zeitgenössischen Kunst (und Kunsttheorie).

Auch der Titel des 176-Quadratmeter-Bildes Hamiltons für die Staatsoper "Retard en fer - Delay in Iron" nimmt auf Duchamp und den Untertitel seines "Grossen Glases" "Retard en Verre" (Verzögerung in Glas) Bezug. Mit dem Scala-Foto aber hat Hamilton sich auf eine seiner Arbeiten aus den sechziger Jahren bezogen, eine weitere Bearbeitung einer alten schwarz-weiss Fotografie der Mailänder Scala, die (ebenfalls in vielfältigen Bearbeitungen und nachträglichen Kolorierungen) als Postkartenmotiv massenhaft in Mailand zu finden war. "Es ist ein wundervolles Foto, man kann jede einzelne Persönlichkeit sehen und alle Gesichter sind auf die Kamera gewendet". (APA)

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