Die soziale Funktion von Ernährung nicht vergessen

31. August 2001, 14:38
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Konzentration auf Frauen wird gegen Hunger empfohlen

Wien - "Es ist das elementare Recht eines jeden Menschen, Zugang zu sicherem und nährreichem Essen zu haben und das fundamentale Recht, frei von Hunger zu sein", formulierte die Ökonomin Ingrid-Ute Leonhäuser aus Giessen bei einem Symposium, das am Freitag im Rahmen des 17. Internationalen Ernährungskongress in Wien stattfand.

Professor Kraisid Tontisirin aus Rom ging in seinen Thesen vom Welt-Gipfel der Nahrung aus, der 1996 in der italienischen Hauptstadt stattfand. Dort wurde das Ziel proklamiert, bis 2015 die Zahl der Hungerleidenden in der Welt um die Hälfte zu reduzieren.

"Haushalte sind dabei der Schlüssel zu allgemeiner Lebensmittelsicherheit - und Unterernährung ist das schlimmste Element der Armut", betonte Tontisirin. Um auch in Entwicklungsländern eine Massenmobilisierung zu diesem Thema zu erreichen, schlägt der Wissenschafter ein Programm vor, bei dem so genannte Mobilizer (geschultes und trainiertes einheimisches Personal) zwischen zehn und 20 Haushalten betreut.

Träfen die internationalen Hilfsorganisationen bei ihren Bemühungen auf bereits ausgebildete oder aufsässige Individuen, so sollten gerade diese zu Mobilizern geschult werden, um sie so in die Organisation einzubinden. Nach Tontisirins Überzeugung ließe sich so die Mangelernährung und die hohe Geburtenrate innerhalb "weniger Jahre deutlich reduzieren".

Soziale Funktion von Ernährung

Laut Lawrence Haddad aus Washington sind "derzeit 1,2 Millionen Menschen als arm zu bezeichnen, das heißt, dass sie weniger als einen US-Dollar pro Tag zur Verfügung haben". Man dürfe bei internationalen Projekten allerdings nicht die soziale Funktion von Ernährung vergessen. Beispielsweise würden auf Bali (Indonesien) rund sieben Prozent der vorhandenen Nahrung für kulturelle Zwecke, im Wesentlichen für religiöse Praktiken, eingesetzt. "Man kann dann aber nicht wie früher sagen: Lass das, wenn Dein Kind hungert!"

Ähnliches wusste die Ernährungswissenschafterin Avita Usfar-Imran von der Universität Heidelberg zu berichten. Sie hatte im Jahre 2000 eine Studie in Indonesien durchgeführt, die den Umgang der Haushalte mit ihrer Lebensmittelversorgung untersuchen sollte. 75 Prozent der Befragten gaben an, kein fixes Einkommen zu beziehen. Insgesamt konnten 49 Prozent ihren täglichen Energiebedarf decken und lediglich 15 Prozent ihren Eisenbedarf.

Ihre Kollegin Leonhäuser forderte in diesem Zusammenhang, dass man sich vor allem auf die Frauen konzentrieren müsse. So würden über 50 Prozent der weltweit produzierten Lebensmittel von Frauen hergestellt und diese seien in der Mehrheit der Fälle auch der Haushaltsvorstand. (APA)

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