"Die Gewerkschaft sind wir!"

31. August 2001, 13:27
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25 DemonstrantInnen begleiteten Sallmutter in die Pension

Wien - "Wir sind hier um ein Zeichen zu setzen" war der Tenor der etwa 25 wackeren Demonstranten vor dem Hauptverbandsgebäude der Sozialversicherungen im Anschluss an die heutige Abschieds-Pressekonferenz des scheidenden Präsidenten Hans Sallmutter. Betriebsräte und einfache Gewerkschaftsmitglieder bekundeten ihre Sorge um Solidaritätsverlust in der Gesellschaft und Belastungswelle durch die Regierung. Slogans wie "Die Gewerkschaft sind wir - die Mitglieder!" oder "Solidarität ist unsere Stärke - Widerstand unsere Chance!" waren da auf Flugblätter und Transparenten zu lesen.

Obwohl die "Demontage" von Sallmutter als unfair eingestuft wird und die Basis eine "Bastion verliert", unterstrichen die Teilnehmer, dass es nicht nur um den Präsidenten geht: "Die Sozialversicherung sind wir, nicht Sallmutter". Die Absetzung von Sallmutter oder die Angriffe auf die Postgewerkschaftsspitze seien lediglich Ablenkungsmanöver, um das Belastungspaket der Regierung zu überdecken.

Wie in Amerika

"Zustände wie in Amerika" befürchtet ein 53-jähriger Teilnehmer, der sich Sorgen um die "Leistbarkeit von Krankheit und Alter" macht. Ein Vertreter der GPA-Jugend meinte: "Für junge Leute ist eine Privatvorsorge nicht leistbar" und "in einem Staat, wo das solidarische Prinzip nicht mehr gilt, möchte ich nicht leben".

Der Initiator der heutigen Kundgebung, Wilfried Leisch, ist trotz der spärlich erschienen Teilnehmer zufrieden. "Wir wollten ein Zeichen setzen - nicht mehr und nicht weniger" - und außerdem sei die Uhrzeit ja nicht gerade günstig gewesen: "Freitag, Vormittag, Urlaubszeit". Die von ihm mitorganisierte Plattform "Keine Zerschlagung der Sozialversicherung/Sozialstaates" mit den gesammelten 55.000 Unterschriften bezeichnete er als "Initialzündung" für die Demonstration der Basis im vergangenen Juli, bei der rund 50.000 Teilnehmer gegen Sozial- und Demokratieabbau auf die Straße gegangen waren. Der Kontakt zur Basis müsse wiederhergestellt werden, und dazu könne die kommende Urabstimmung beitragen, so Leisch.

Der scheidende Präsident Hans Sallmutter wohnte der Kundgebung bei. Ein letzter Blick zurück könnte man meinen, - und er nahm mit wehmütiger Stimme seine Zukunft vorweg: "Jetzt geh` i in Pension". (APA)

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