Lehrer-Gewerkschafter über Pragmatisierung gesprächsbereit

31. August 2001, 13:15
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Jantschitsch und Riegler stellen Bedingungen

Wien - Gesprächsbereit über das Ende der Pragmatisierung bei Lehrern, wie es von verschiedenen Regierungsvertretern in den vergangenen Monaten gefordert wurde, zeigen sich die Chefs der Pflichtschullehrer- und der AHS-Lehrer-Gewerkschaften, Walter Riegler und Helmut Jantschitsch (beide FCG). Voraussetzung dafür ist für beide allerdings, dass dies nur für Neueintretende in Verbindung mit einem neuen Dienstrecht und Gehaltsschema diskutiert werden könnte. Außerdem stellen die beiden Gewerkschafter im Gespräch mit der APA gewisse Bedingungen, die erfüllt werden müssten.

"Nur vom Ende der Pragmatisierung halte ich gar nichts", betonte Riegler. Das Thema sei allerdings auch immer im Zusammenhang mit einem neuen Gehaltsschema für Neueintretende genannt worden, und von dem würden alle wissen, dass es viel koste. Wenn man die Gehälter der Junglehrer anhebe und jene der älteren abflache, werde das für 20 Jahre teurer und erst dann rechne es sich. Ein moderneres Dienstrecht würde Riegler begrüßen, denn am "Wort Pragmatisierung" hänge niemand. "Wir hängen aber am manchen Dingen, die in der Pragmatisierung stecken, nicht nur aus Sicht der Lehrer, sondern auch aus Sicht einer ordentlich geführten Schule."

Verstecktes Gut

Als solches in der Pragmatisierung "versteckte Gut" bezeichnet Riegler etwa die Garantie, dass ein Volksschüler von der 1. bis zur 4. Klasse die gleiche Lehrerin hat, oder die Garantie, dass ein Lehrer nicht in Bezug auf Notengebung oder der Vergabe von Berechtigungen unter Druck komme und deshalb um seinen Job zittern müsse. Zu bedenken gibt der Gewerkschafter auch, dass die Lehrerausbildung noch immer eine "ziemliche Einbahn" sei und es nur wenige Jobalternativen gebe. "Wenn diese Dinge, die für eine funktionierende Schule wichtig sind, erfüllt werden, sind wir gesprächsbereit. Aber derzeit liegt noch nichts am Tisch", so Riegler.

Auch Jantschitsch kann sich vorstellen, dass man im Zuge von Verhandlungen über ein neues Dienstrecht überlegt, "wie weit man die klassische Pragmatisierung noch braucht". Dabei müsse man aber auf drei Faktoren achten: Lehrer müssten "vor Willkür und politischer Einflussnahme geschützt werden. Außerdem müsste es einen verstärkten Kündigungsschutz geben. Dies sei nicht nur im Sinne der Schüler, damit deren Lehrer nicht ständig wechseln. Jantschitsch hätte ohne diesen Schutz auch die Angst, "dass sich nicht viele in diese Dienstgeber-Sackgasse hineinbegeben", die es auf Grund des Bildungsmonopol des Staates noch immer gebe, und viele davor zurückschrecken, den Lehrer-Beruf zu ergreifen.

Schließlich ist für Jantschitsch wichtig, dass die Lebensverdienstsumme stimmt. Es gehe nicht nur darum, die Gehaltskurve "als Nullsummenspiel" abzuflachen, also am Anfang höhere und am Ende der Karriere niedrigere Gehälter als derzeit auszubezahlen. Auch die im Gegensatz zur Beamtenpension schlechtere ASVG-Pension von Nicht-Pragmatisierten müsste ausgeglichen werden. "Unter diesen Aspekten könnte man sich das durchaus anschauen, es ist nicht sinnvoll, an der Pragmatisierung als Justament-Standpunkt festzuhalten", so der Gewerkschafter. Die derzeit in Dienst befindlichen Kollegen, die oft nach zehn bis 15 Dienstjahren noch nicht pragmatisiert seien, sollten aber weiter im alten Schema bleiben können und ihre erwartete Lebensverdienstsumme erhalten.

Auf eine Abschaffung der Pragmatisierung drängen etwa Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer (F) - sie möchte die Pragmatisierungen auf einen "Kernbereich" des öffentlichen Dienstes zurückdrängen - und auch Finanzstaatssekretär Alfred Finz (V). Laut Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) würden derzeit eine Arbeitsgruppe in ihrem Ministerium Modelle zur Neuverteilung der Lebensgehälter der Lehrer ausarbeiten. Fest scheint zu stehen, dass die Gehaltskurven in Zukunft flacher werden, dass junge Lehrer mehr, ältere weniger verdienen. Die neuen Regeln sollten sowohl für Bundes- wie für Landeslehrer gelten. Bei der Umstellung sollten die Lehrer in normalen Angestellten- oder Vertragsbedienstetenverhältnissen arbeiten, wobei bereits pragmatisierte Lehrer im alten Schema bleiben könnten, so Gehrer. (APA)

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