YLine kämpft gegen die Zeit

31. August 2001, 19:00
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Halbjahresergebnis erneut verschoben

Wien - Und noch eine Front, mindestens Nummer vier, ist bei der börsennotierten YLine AG eröffnet: Die Zeit. YLine-Chef Werner Böhm und seine Buchhalter haben offensichtlich ihre Buchhaltung nicht im Griff. Das Halbjahresergebnis, das die an der Wiener Börse und an der Nasdaq Europe in Brüssel notierende Firma bereits vor einer Woche hätte präsentieren sollen, ist abermals nicht fertig geworden. Warum nicht, wollten die YLine-Führer ihren Aktionären und der Öffentlichkeit, die gerne wissen wollte, wie es um die Firma steht, nicht sagen. Am 17. September sollen die Zahlen präsentiert werden.

Eine Hand voll Cents

Reagiert auf die Nichtmeldungen von YLine hat indes der Kurs an der Nasdaq Europe. Im Sturzflug sank der YLine-Kurs am Donnerstag um 22,79 Prozent auf 1,33 EURO in den Keller. Am Freitag verlor das Papier zwischenzeitlich weitere zehn Prozent.

Die Verzögerungstaktik sehen Analysten mit großer Skepsis. Die Lage eskaliert, meinte ein Analyst zum STANDARD. Die Insolvenzgefahr sei durch die Globalzession, die YLine und IBM vor ihrem derzeit schwelenden Rechtsstreit vereinbarten, größer geworden. Zur Erinnerung: YLine hat sich mit IBM angelegt, weil diese angeblich eine Partnerschaftsvertrag nicht gehörig erfüllt hat. Seither weigert sich YLine, die Schulden an "Big Blue" in Höhe von 14 Mio. Euro (192,64 Mio. S) zu bezahlen. Böhm stellte im Gegenzug IBM eine Rechnung in Höhe von 42 Mio. Euro aus, weil IBM aus dem Vertrag bei YLine in der Kreide stecken soll.

IBM wiederum machte Anfang August eine Globalzession geltend, wonach Schuldner von YLine ihre Schulden direkt mit IBM zu begleichen haben. Ein Aktienpaket von Blue Bull, das 900.000 eigene Aktien am Mittwoch auf einem Treuhanddepot hinterlegte, wollte YLine an den US-Fonds Navigator zum Wert von 7,2 Mio. Euro verkaufen. (Thomas Jäkle, DER STANDARD, Printausgabe 1.9.2001)

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