Linux für digitale Set-Top-Boxen

31. August 2001, 13:31
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Einführung des terrestrischen Digital-Fernsehens lässt auf sich warten

Das freie Betriebssystem Linux gewinnt nach Servern und PCs auch für das digitale Fernsehen an Bedeutung. Im Juni hatten 24 IT-Firmen auf der Cable 2001 in Chicago die TV Linux Allianz aus der Taufe gehoben. Nun haben der Decoder-Hersteller Galaxis Technology und das Softwareunternehmen Integrated Media auf der Berliner Funkausstellung einen Vertrag in Millionenhöhe abgeschlossen: Convergence hat ein linuxbasiertes Betriebssystem für digitale Set-Top-Boxen entwickelt, das Galaxis erstmals einsetzen wird.

Softwarebasis für Decoderserie

"Linux TV" bildet die Softwarebasis einer Decoderserie, die Galaxis in verschiedenen Varianten anbieten wird. Einige der Geräte sollen den Standard MHP (Multimedia Home Plattform) unterstützen. Damit werden die Set-Top-Boxen in der Lage sein, neben digitalem TV auch interaktive javabasierte Multimediadienste sowie Internet-Funktionen darzustellen. Neben der Decoderhardware liefert Galaxis auch universelle Softwarekomponenten, die Linux TV auf der Set-Top-Box antreiben. Die Geräte werden für Satelliten- und Kabelmärkte und für das terrestrische Fernsehen DVB-T angeboten.

Unterschiedliche Einschätzungen

Die Chancen des terrestrischen Fernsehens beurteilen Experten jedoch unterschiedlich. Der Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation hat auf der IFA vor einer unkritischen und völlig voreiligen Darstellung der Zukunftsperspektiven der Nutzung digitaler terrestrischer Frequenzen gewarnt. Es sei hohe Zeit, vor dem Hintergrund einer gerade jetzt wieder auf der IFA propagierten Aufbruchstimmung bei DVB-T auf die Euphoriebremse zu treten, um vor allem beim Verbraucher keine falschen Erwartungen zu wecken, sagte Verbandspräsident Jürgen Doetz.

Ohne Private sinnlos

Bislang gibt es kein zwischen dem öffentlich-rechtlichen und dem privaten Rundfunk abgestimmtes Einführungsszenario für DVB-T. Die Nutzung von DVB-T ohne die Beteiligung der privaten Rundfunkanbieter sei von vornherein zum Scheitern verurteilt, so Doetz. In Berlin hätten sich privatwirtschaftliche Medienunternehmen gegenüber der dortigen Landesmedienanstalt grundsätzlich zur Beteiligung an der Einführung von DVB-T bereit erklärt, ihre Beteiligung allerdings davon abhängig gemacht, dass auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk auf die Nutzung seiner derzeitigen analogen Fernsehfrequenzen ebenso verzichten wird, wie der private Rundfunk. (pte)

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