Schlechte Karten für die Telekom

31. August 2001, 18:41
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Hoffnung auf Lockerung der Regulierung dürfte eine solche bleiben

Wien - Die Telekom Austria (TA) hofft nach der Umsetzung der geplanten Strukturänderung des Unternehmens auf eine regulatorische Änderung bei der Bewertung der Marktbeherrschung durch den Regulator. Längerfristig wolle die TA im Endkundenbereich wie jedes andere Retail-Unternehmen behandelt werden, betonte TA-Sprecher Martin Bredl.

Das dürfte vorerst allerdings ein frommer Wunsch bleiben, denn die geplante Neuorganisation im Festnetz allein, verändert an der Marktposition kaum etwas. Wie berichtet, hat der Telekomaufsichtsrat am Dienstag einer Teilung des Festnetzgeschäfts in Wholesale (Infrastruktur und Mietleitungen) und Retail (Endkundenservice) prinzipiell zugestimmt.

Mehr Durchblick

Im Großhandelsbereich sollen alle regulierten Bereiche wie die Mietleitungen für die alternativen Netzbetreiber gebündelt werden. Die Entflechtung soll im Endkundensegment mehr Transparenz und Geschwindigkeit ermöglichen, denn derzeit müssten alle Tarife vom Regulator genehmigt werden, was viel Zeit koste am schnellen Telekommarkt. An der Betrachtungsweise des Regulators ändere dieser Umbau jedoch nichts, beharrte Telekom-Control-Chef Heinrich Otruba am Donnerstag. Denn die Marktposition des Unternehmens bleibe dieselbe. Allerdings könne dadurch die Nichtdiskriminierung leichter überprüft werden.

Die TA plädiert deshalb für eine Änderung des Telekomgesetzes dahingehend, dass eine "feingliedrigere Betrachtung der Marktposition der TA" ermöglicht werde, skizziert TA-Mann Bredl. "Im Netzinfrastrukturbereich werden wir immer führender Anbieter sein, in einigen kleineren Endkundenbereichen ist die Telekom bereits jetzt nicht mehr Marktführer."

Ärger über den Regulator hat in der Telekom vor allem der langwierige Genehmigungsprozess für die neuen "Tik-Tak-Tarife" ausgelöst. Bei der Telekom Control wiederum wird betont, dass für alle Marktbeherrscher im Bereich Sprachtelefonie im Festnetz sowie für das Anbieten von Mietleitungen eine Genehmigung der Entgelte und Rabatte vorgesehen sei. Das dauert acht Wochen, es sei denn, die Antragsunterlagen sind unvollständig und der Regulator muss Detailinformationen urgieren. Dann können aus den acht Wochen mitunter mehr werden. "Die Verzögerung ist dann aber auf den Antragsteller zurückzuführen", betonte Otruba. Die TA will überhaupt ein anderes System: Der Regulator soll Tarife prüfen, wenn sie schon am Markt sind. (APA, ung, DER STANDARD, Printausgabe 1.9.2001)

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