"Nationale Medienidentitäten sind von gestern"

31. August 2001, 19:19
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Globalisierung und Regionalisierung an Bedeutung gewonnen

Um nationale Medienidentitäten ging es Donnerstagabend bei den Alpbacher Mediengesprächen. Tenor der Debatte: Nationale Medienidentitäten verlieren an Bedeutung, in den Vordergrund treten globale und regionale Medienidentitäten. Darüber hinaus werden im Mediengeschäft Sprachräume immer wichtiger.

Hans Mahr - Infochef von RTL

"Verträge werden bei uns für den deutschsprachigen Raum gemacht, und wir denken im deutschsprachigen Raum. Nationale Medienidentitäten sind von gestern", meinte etwa Hans Mahr, Info-Chef und stellvertretender Geschäftsführer des Privatsenders RTL.

Jan Mojto - Präsident der Krich-Gruppe

Jan Mojto, Präsident der deutschen Kirch-Gruppe, wies darauf hin, dass Medienunternehmen heute zunehmend auf internationalen beziehungsweise globalen Märkten agieren müssten, um zu reüssieren. Man sei immer stärker von Kapitalmärkten abhängig. Weiters nannte Mojto eine Mindestgröße von zehn Millionen Einwohnern, ab der sich ein selbstständiges Fernsehprogramm trage.

Michael Grabner - Holtzbrinck-Verlag

Medienidentitäten würden stark von den Printmedien getrieben, sagte Michael Grabner vom Holtzbrinck-Verlag. Die Medienkonzentration am österreichischen Zeitungsmarkt sei laut Grabner nicht schlecht. Es handle sich um eine "verlagswirtschaftliche Konzentration" und nicht um eine "Meinungskonzentration". Ohne diese Bündelung gäbe es vermutlich noch weniger Zeitungen, meinte der frühere Mediaprint-Manager.

Gerhard Weis - ORF-Generalintendant

ORF-Generalintendant Gerhard Weis betonte die Komplexität von Medienidentitäten. "Die Frage der Identität ist eine sehr persönliche und widersprüchliche", so Weis. Der ORF müsse diese Widersprüchlichkeit als "Zentralanstalt der österreichischen Identität" darstellen. Für Medienunternehmen sei es wichtig, das Publikum ernst zu nehmen. "Das Publikum muss in der Lage sein, sich selbst wieder zu erkennen."

Toni Ebner - Chefredakteur der "Dolomiten"

Toni Ebner, Chefredakteur der Südtiroler Tageszeitung "Dolomiten", fasste für den Medienmarkt zwei Trends zusammen: "Dem Trend zur Globalisierung wird der Trend zur Regionalisierung entgegen gesetzt, und Sprachminderheiten gewinnen an Bedeutung." Bereits jetzt gebe es innerhalb der EU 50 Millionen Menschen, die einer Sprachminderheit angehören. Mit der EU-Erweiterung würden es noch mehr, so Ebner. (APA)

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