Römisches Kolosseum zum Teil mit Beutegut finanziert?

31. August 2001, 11:35
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Entzifferte Inschriften als Grundlage dieser Ansicht

Washington - Der Bau des römischen Kolosseums vor mehr als 1.900 Jahren soll zum Teil mit Beutegut aus der Zerstörung des Tempels in Jerusalem finanziert worden sein. Kaiser Titus habe im Feldzug gegen den jüdischen Aufstand im Jahr 70 eine ungewöhnlich große Menge an Beutegut nach Rom gebracht, schreibt der Historiker Louis Feldman von der New Yorker Yeshiva-Universität in der Fachzeitschrift "Biblical Archaeology Review".

Ein Teil dieser nach Rom geschleppten Werte sei dann für den Bau des Kolosseums ausgegeben worden, erklärte Feldman. Er stützt sich dabei auf Forschungen des Heidelberger Inschriftenforschers Geza Alföldy, der in einem Stein des Kolosseums den kaum noch lesbaren Schriftzug "ex manubiis" entziffert hat - die "manubiae" sind die Kriegsbeute der römischen Truppen. Feldman weist darauf hin, dass andere Feldzüge der damaligen Zeit in dieser Hinsicht kaum so ergiebig waren wie der Jüdische Krieg. Damals wurde auch der legendäre herodianische Tempel zerstört, von dem heute nur noch die Klagemauer erhalten geblieben ist.

In der Fachwelt stießen die Schlussfolgerungen Feldmans auf ein unterschiedliches Echo. Der Archäologe William Dever erklärte, das sei alles ein bisschen weit hergeholt. Auch habe es im herodianischen Tempel nicht so viel Gold gegeben, wie der jüdische Historiker Flavius Josephus beschrieben habe. Der Hebräisch-Professor Peter Machinist von der Harvard University würdigte jedoch die Arbeiten Alföldys und Feldmans: "Das passt alles sehr gut zusammen." (APA/AP)

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