Bei Libro rückt Tag der Wahrheit näher

31. August 2001, 16:58
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Kapitalschnitt und Spekulationen zu Management-Buyout

Wien - Bei der seit Ende Juni im Ausgleich befindlichen Buch- und Medienkette Libro ist ein Investor von außen, der das Unternehmen erwerben wolle, "weit und breit nicht in Sicht", hieß es am Freitag aus Bankkreisen zum _Standard. Daher könnte es bei dem mit vier Milliarden Schilling verschuldeten Unternehmen zu einem Management-Buyout kommen, wird im Kreditsektor spekuliert. Möglicherweise beteilige sich auch Billa-Konzernchef Veit Schalle an der Aktion, sagte ein Banker. "Das klingt nicht unlogisch. Schalle hat Libro im restrukturierten Zustand immer als Cash-Cow bezeichnet."

 

Schalle selbst hat ein Engagement bei Libro stets dementiert. Libro-Vorstandssprecher Werner Steinbauer sagte: "Ich persönlich denke nicht daran. Wenn das Management das Geld aufbringen kann, ist es möglich, dass es zu einem Management-Buyout kommt." Libro-Finanzvorstand Bernhard Chwatal ergänzte: "Man bräuchte mindestens 700 Mio. S frisches Kapital und 1,6 Milliarden für den Ausgleich. Ich halte das für völlig sinnlos und nicht machbar. Ich habe das Geld sicher nicht."

Kapitalschnitt

Unterdessen hat der neu gewählte Aufsichtsrat die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung für den 20. September beschlossen, auf der ein radikaler Kapitalschnitt beschlossen werden soll. Das Grundkapital wird dabei bilanztechnisch auf das für eine Aktiengesellschaft geringstmögliche Grundkapital von 70.000 Euro gesenkt (siehe Wissenskasten nebenan). Der Effekt: Auch der Bilanzverlust und der Streubesitz sinken, der Einstieg eines potenziellen Investors wird erleichtert. Die Aktionäre bekommen für 134 alte Aktien eine neue Libro-Aktie.

"Enteignung"

Kritiker sprechen daher von einer "Enteignung" der Libro-Aktionäre. Steinbauer konterte: "Die Enteignung ist schon unter dem alten Management und Aufsichtsrat passiert. Die Aktionäre sind heute an einem Unternehmen beteiligt, das nichts mehr wert ist." An der Börse ging es mit Libro bis Freitagmittag noch einmal um kräftige 9,5 Prozent auf 1,85 € bergab.

 

Der Tag der Wahrheit für Libro ist der 21. September. An diesem Tag stimmen die Libro-Gläubiger, allen voran die heimischen Großbanken Raiffeisen, Bank Austria, Oberbank & Co, über die Annahme oder Ablehnung des Ausgleichsangebotes ab. Am 21. September soll auch das erste Kapitel "Kapitalverzehr" der Sonderprüfung fertig sein, die Wirtschaftsprüfer Andreas Staribacher macht, und die die Verantwortung von Ex-Libro-Chef André Rettberg für das Firmendebakel klären soll. (Michael Bachner, DER STANDARD, Printausgabe 1.8.2001)

 

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