BSE: Österreich immer noch eine "Insel der Seligen"

31. August 2001, 14:56
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Neue Erkenntnisse auf dem 17. Internationalen Ernährungskongress in Wien

Wien - Ganz Europa ist von BSE "besetzt" - nur ein mutiges kleines Land widersetzt sich standhaft dem Einfall: Bisher ist immer noch kein Fall der tödlichen Krankheit verzeichnet worden. Dies ist das aus heimischer Sicht beruhigende Resümee, das die österreichische Virologin Karin Möstl am Donnerstag bei einem Vortrag im Rahmen des 17. Internationalen Ernährungskongress zog, der derzeit in Wien stattfindet.

In Großbritannien, dem Ursprungsland des Rinderwahns, gab es bisher 180.000 registrierte BSE-Fälle bei Tieren - die Expertin schätzt allerdings die Dunkelziffer auf mindesten 800.000. Dies bedeutet also insgesamt rund eine Million BSE-Tiere allein auf der britischen Insel. Höhepunkt der Seuche war dabei das Jahr 1992 mit beinahe 40.000 registrierten Infektionen.

Bei den festgestellten Fällen stellt das Rindvieh die absolute Mehrheit. Allerdings waren auch 95 Zootiere und 90 Katzen betroffen - für Möstl der klare Beweis, dass BSE die Artengrenze überspringt.

In diesen "Übersprung" ist auch laut der Virologin auch der Mensch einbezogen: "Heute ist sicher, dass BSE die neue Variante der Creuzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJD) beim Menschen verursacht." So starben in Großbritannien bisher rund 100 Menschen an dieser menschlichen Variante von BSE, die erstmals 1995 beschrieben wurde.

Prionprotein als Auslöser

Die Bovine Spongiform Encephalopathy (BSE) ist eine von vielen Enzephalitiden, Gehirnentzündungen, die Tier und Mensch befallen können. Bei diesen Krankheiten wird das zentrale Nervensystem befallen, wobei dem tatsächlichen Ausbruch eine lange Inkubationszeit vorangeht.

Der nach Aussagen der Expertin nach aller Wahrscheinlichkeit auslösende Faktor für den Ausbruch der Krankheit BSE ist das 1982 entdeckte Prionprotein. Prionen sind Eiweiße, die unter anderem beim Rind BSE, beim Schaf Scrapie und beim Menschen die tödliche neue Variante von CJD auslösen sollen. Normalerweise befinden sie sich beim Menschen und anderen Säugetieren im Gehirn und anderem Gewebe. Verändert ein Prion aus bisher noch ungeklärter Ursache seine Form, kann es jedoch im Gehirn einen Zersetzungsprozess auslösen.

Die Symptome bei einer infizierten Kuh sind ein rapider Gewichtsverlust trotz großen Appetits, eine schwindende Milchleistung und die übertriebene Empfindlichkeit bei Störungen durch Bewegungen, Licht, Lärm, etc. Eine klare Diagnose kann allerdings immer erst am toten Tier gemacht werden.

(APA)

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