"Alle Blicke auf die TV-Bildschirme gerichtet"

30. August 2001, 22:51
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Geiseldrama um brasilianischen TV-Star unblutig beendet

Ein Geiseldrama um Fernseh-Star Silvio Santos, das Brasilien am Donnerstag in Aufregung versetzt hat, ist nach rund sieben Stunden unblutig beendet worden. Der 22-jährige Geiselnehmer habe sich ergeben, teilte die Polizei von Sao Paulo mit.

Der 71-jährige Santos war in seinem Haus von jenem Mann überfallen und festgehalten worden, der erst vor wenigen Tagen seine Tochter Patricia (24) entführt und nach der Zahlung von 500.000 Real (230.081 Euro/3,17 Mill. S) Lösegeld am Dienstag freigelassen hatte. Eine Woche lang hatten er und seine Bande das Mädchen in ihrer Gewalt.

Live-Berichte

Donnerstag früh war der Geiselnehmer über die Mauer der Santos-Wohnung im Nobelviertel Morumbi geklettert und hatte den Medien-Star in seine Gewalt gebracht. Nach Angaben zahlreicher Medien, deren Journalisten per Hubschrauber seit dem frühen Morgen von dem Geiseldrama live berichten, waren die Ehefrau und die Töchter von Santos bereits zu Beginn der Geiselnahme frei gelassen worden.

Der Gouverneur des Landes Sao Paulo, Geraldo Alckmin, habe persönlich mit dem Geiselnehmer verhandelt, hieß es. Und Justizminister Jose Gregori habe extra seinen Abflug zur Rassismus-Konferenz in Durban bis zum Ende der Geiselnahme verschoben.

Nach dem Ende der Geiselnahme sucht die Polizei nun noch nach mindestens zwei Mitgliedern der Bande, die Santos Tochter entführt hatte. Unter den Gesuchten ist auch Fernando Dutra Pintos Freundin Jennifer. Zwei Mitglieder der Bande waren schon am Dienstag dingfest gemacht worden.

"Ganz Brasilien wird in Atem gehalten"

Auf den Straßen, in den Einkaufszentren und Kneipen Sao Paulos gab es den ganzen Tag nur ein Thema: Die Sorge um Volksidol Santos. "Ganz Brasilien wird in Atem gehalten", sagte ein TV-Reporter. Der Geiselnehmer hatte erst am Vorabend auf der Flucht in einem Hotel Sao Paulos zwei Polizisten erschossen. An der Aktienbörse von Sao Paulo - der größten Lateinamerikas - gab es kaum Geschäfte. Ein Händler erklärte: "Alle Blicke sind auf die TV-Bildschirme gerichtet."

Der Fernsehmann und sechsfache Vater Santos ist Gründer und Besitzer des zweitwichtigsten brasilianischen TV-Senders SBT. Hier moderiert er seit 20 Jahren einige der populärsten Programme des Landes - unter anderem die brasilianische Version der Spielshow "Wer wird Millionär?". (APA/dpa)

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