Spekulationen um möglichen Temelin-Verkauf

31. August 2001, 11:53
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Tschechien plant bis Jahresende Privatisierung des Energie-Sektors

Prag - Die tschechische Regierung will noch bis Ende diesen Jahres den tschechischen Energiekonzern CEZ, Betreiber der Atomkraftwerke Dukovany und Temelin, privatisieren. Aus dem Verkauf des gesamten Energiesektors rechnet die Regierung, die mit 67 Prozent an dem Stromkonzern beteiligt ist, mit Einnahmen von rund rund 400 Mrd. Kronen (11,7 Mrd. Euro/161 Mrd. S). Die Finanzexperten halten diese Einschätzung jedoch für überzogen. Realistisch seien rund 150 Mrd. Kronen.

Als neuer Abgabetermin für CEZ-Interessenten gilt der 10. September, über die dann am 14. Dezember entschieden werden soll. Die Beratungsfirma "Deloitte & Touche" ist mit der Privatisierung des Energie-Sektors beauftragt, Anzeigen für den Verkauf sind geschaltet.

EdF soll Zuschlag bekommen

Drei große westliche Energie-Konzerne sind nach Medienberichten im Rennen: die deutsche E.ON, die französische Electricite de France (EdF) und die britische British Energy. Gute Chancen werden dabei den Franzosen eingeräumt. "Es pfeifen schon die Spatzen von den Dächern, dass die EdF den Zuschlag bekommen wird", erklärte der Chef des Prager Liberalen Instituts, Miroslav Sevcik, in einem Rundfunkinterview.

Die gute Position von EdF ist nach Medien-Spekulationen darauf zurückzuführen, dass in Frankreich die Atomenergie einen hohen Anteil an der Strom-Produktion hat. Für EdF sei daher der Kauf von CEZ auch mit den Atomkraftwerken Temelin und Dukovany möglich. Auch der britische Konzern hält Temelin für unproblematisch: "Wir haben keine Angst, dass wir den Strom aus Temelin nicht verkaufen könnten", erklärte die Sprecherin von Britisch Energy, Carmen O'Hare, kürzlich gegenüber der tschechischen Zeitung "Mlada fronta Dnes". Lediglich kleinere Chancen soll E.ON haben, weil auch in Deutschland die Kritik gegenüber Temelin immer lauter wird. Als Alternative gilt auch die Bildung eines Privatisierungskonsortiums einiger Firmen.

Mehrere tschechische Experten kritisieren, dass die Regierung den CEZ übereilt privatisieren wolle - unter anderem auch deshalb, weil Temelin noch nicht läuft. "Die Privatisierung des Energie-Sektors wird durch eine große Eile und von einer ganzen Reihe von ungeklärten Fragen begleitet. Ungeklärt sei bisher, ob der Staat die Rechte für die Distributionsfirmen haben will und welche Position er zu der Frage der Garantien für das atomare Programm einnehmen wird", erklären die Analytiker der Firma BBG Finance. (APA)

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