Aus der Zwischenwelt

31. August 2001, 11:18
posten

Koreanische Jugend: "Timeless, Bottomless, Bad Movie"

1995, während er in Seoul an seiner Dokumentation Cinema on The Road drehte, machte der koreanische Regisseur Jang Sun-Woo (Seoul Jesus) Bekanntschaft mit einer Gruppe von Straßenkindern.

Weil er ohnehin genug davon hatte, "gute" Filme zu drehen, begann Jang infolge dieser Begegnungen mit der Arbeit an seinem Timeless, Bottomless, Bad Movie - einer Mischform aus dokumentarischen und inszenierten Aufnahmen, teils auf 35 Millimeter, teils mit kleinen Digitalkameras gedreht, die auf technische Qualitätsstandards zugunsten von größtmöglicher Beweglichkeit und Nähe verzichtete.

Alltag rekonstruiert

Timeless, Bottomless, Bad Movie ist ein ungewöhnliches Projekt. Kein Film über, sondern ein Film mit den Jugendlichen, die gemeinsam mit dem Regisseur sehr explizite kleine Episoden erarbeiteten, die um ihr alltägliches Dasein kreisen.

So stellt einer die Geschichte eines trunkenen nächtlichen Ausflugs nach, in dessen Verlauf sich Freunde um die Frage, wie man nun wieder nach Hause käme, entzweien. Ein Mädchen schildert drastisch seinen Hinauswurf aus der elterlichen Wohnung und die handgreiflich ausgetragenen Rivalitäten innerhalb seiner Girlgang.

Die Posen und Selbstentwürfe bleiben brüchig. Dazwischen erzählen Aufnahmen von verbotenen Motorradrennen auf den nächtlichen Hauptstraßen auch von den unbändigen Sehnsüchten, die sich wider besseres Wissen zwischen Drogenkonsum, Kleinkriminalität und (sexueller) Gewalt behaupten. (Isabella Reicher /DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.8.2001)

Timeless, Bottomless, Bad Movie, 23.20, Arte
Share if you care.