Vitamine für die künstliche Hüfte

30. August 2001, 19:52
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Leobener Forscher verdoppelt Haltbarkeit der Gelenksprothese

Leoben/Graz - Die Lebensdauer von künstlichen Hüftgelenken, zwölf bis 25 Jahre, könnte in Zukunft verdoppelt werden. Dies versprechen Forschungen des Instituts für Chemie der Kunststoffe an der Montanuniversität Leoben.

Grund für die relativ kurze Haltbarkeit herkömmlicher Prothesen ist das Material, aus dem ein kleiner Teil im Inneren der Hüftpfanne hergestellt wird: Polyethylen. Dieser in der Industrie gängige Kunststoff hat den großen Nachteil, gerade im menschlichen Körper durch Oxidation rasch spröde zu werden. Das führt nach jahrelanger Abnutzung zum vom Patienten zunächst unbemerkten Abrieb. In weiterer Folge kann er jedoch zu schmerzhaften Entzündungen oder sogar zu einer Osteolyse, also zur Auflösung der Knochen führen. Damit es nicht so weit kommt, unterziehen sich viele Patienten einer weiteren Operation zur Implantierung einer neuen Prothese. Christian Wolf vom Leobener Institut für Chemie der Kunststoffe ist es nun in zwei Jahren Forschungsarbeit gelungen, Oxidation und Abrieb durch Beimengen eines gut verträglichen und ungiftigen Antioxidants zum noch pulverförmigen Prothesenmaterial entgegenzuwirken. Bei der Substanz handelt es sich um das natürliche Alpha-Tocopherol (Vitamin E).

Damit versetztes Polyethylen ist viel länger haltbar und in der Herstellung trotzdem nicht teurer, "weil kein zusätzlicher Arbeitsschritt notwendig ist", berichtet der Chemiker Wolf.

Klinische Tests mit dem neuen Material stehen aber noch aus. Der Leiter der Orthopädie am Grazer Landeskrankenhaus, Reinhard Windhager, kann sich vorstellen, die Testreihe auf seiner Abteilung durchzuführen. Auch er hält die Leobener Idee für "einen sehr viel versprechenden Ansatz". (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.8.2001)

von Colette M. Schmidt
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