Notpaket der Regierung: 100 Millionen Schilling für Jugendausbildung

30. August 2001, 18:55
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Auffangprogramm für Jugendliche, die keine Lehrstelle finden, wird verlängert

Wien - Die Situation auf dem österreichischen Lehrstellenmarkt hat sich analog zum einbrechenden Gesamtarbeitsmarkt verschärft. Besonders trist ist die Lage in Wien, wo per Ende Juli etwa 1900 Lehrstellen fehlten.

Österreichweit klafft zwischen Lehrstellensuchenden und verfügbaren Ausbildungsplätzen eine Lücke von derzeit rund 5000 Stellen. Nur in Tirol und Vorarlberg gibt es mehr Plätze als Jugendliche, die heuer im Herbst eine Lehre beginnen wollen.

Trotz gegenteiliger Ankündigungen macht VP-Arbeitsminister Martin Bartenstein daher 100 Millionen Schilling (7,27 Mio. Euro) locker, um das so genannte Auffangnetz für Jugendliche, die keine Lehrstelle finden, um ein Jahr zu verlängern. Die Mittel, die aus den Vorjahren übrig geblieben sind, werden auf Wien, Niederösterreich, die Steiermark und das Burgenland zur Finanzierung von außerbetrieblichen Lehrgängen aufgeteilt. Wien hat 34 Mio. S aus diesem Titel beantragt, so die Sprecherin des AMS Wien, Susanne Rauscher. Der genaue Aufteilungsschlüssel werde aber noch verhandelt.

AK-Kritik

Die Arbeiterkammer (AK) begrüßt den Schritt der Regierung, sagt aber gleichzeitig, dass die genannten Mittel nicht ausreichen werden. Arthur Baier, Leiter des AK-Jugendschutzes zum STANDARD: "Die Maßnahme ist richtig, das war unsere Forderung an Bartenstein schon seit dem Frühjahr. 100 Mio. S sind aber die absolute Untergrenze, damit sind höchstens 1000 Lehrgangsplätze zu finanzieren. Wir bräuchten etwa 400 Mio. S, um für 3000 bis 4000 Jugendliche vorzusorgen."

Das rechtliche Prozedere ist klar: Per Initiativantrag der Regierungsparteien geht im September die Verlängerung des betreffenden Jugendausbildungssicherungsgesetzes durch den Nationalrat. Damit können Jugendliche mit Stichtag 15. November nach einer Vermittlung durch das Arbeitsmarktservice (AMS) wieder in Lehrgänge bei Einrichtungen wie Jugend am Werk, bfi und Wifi gehen.

Die auf zehn Monate befristete Ausbildungszeit wird wie in der Vergangenheit auf die spätere "normale" Lehrzeit angerechnet, so sich für die Betroffenen im Jahr darauf eine reguläre Lehrstelle findet. Findet sich keine, bleibt nur die Hoffnung, dass das Auffangnetz um ein weiteres Jahr verlängert wird.

Außerbetriebliches Auffangnetz

Zurück geht die Idee des außerbetrieblichen Auffangnetzes noch auf SP-Sozialministerin Lore Hostasch aus der Regierungszeit Klima. Im Schuljahr 1998/1999 wurden die ersten dieser Lehrgänge und damals noch mehrjährigen Stiftungsplätze (auch bei Wifi, bfi & Co) eingerichtet und im Ausbildungsjahr 1999/ 2000 fortgeführt.

Unter der Regierung Schüssel wurden die Stiftungsplätze gestrichen und heuer sollten auch die Lehrgänge auslaufen. Doch die deutliche Konjunktureintrübung und Monat für Monat schlechter werdende Arbeitsmarktdaten zwingen Bartenstein zur Fortsetzung der Maßnahme, die er selbst wiederholt als marktfern und zu teuer kritisierte.

Die Gesamtarbeitsmarktdaten für den Monat August sollen am kommenden Dienstag veröffentlicht werden. Laut Arbeitsmarktexperten stieg die Zahl der registrierten Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahreswert um weitere 12.000 bis 13.000 Betroffene. Parallel dazu spitze sich die Situation auf dem Lehrstellenmarkt weiter zu. (Michael Bachner, Lydia Ninz, DER STANDARD, Printausgabe 31.8.2001)

In Wien, Niederösterreich, der Steiermark und im Burgenland ist der Lehrstellenmangel besonders groß. Diese Länder unterstützt der Bund. Die Arbeiterkammer fordert 400 Millionen S.
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