Gefährliches Badevergnügen

31. August 2001, 15:08
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Jährlich ertrinken in Österreich 80 Menschen - Experten warnen vor Selbstüberschätzung

Linz - Acht Menschen ertranken in diesem Sommer bereits allein in Oberösterreich. Die jüngsten Fälle: ein 74-jähriger Rentner, der am Mittwoch im Badesee Feldkirchen (Bezirk Urfahr-Umgebung) ums Leben kam. Tags davor war ein 15-jähriger Bursche im Pleschinger Badesee bei Linz ertrunken.

In ganz Österreich ertrinken jährlich rund 80 Menschen; das sommerliche Badevergnügen wird in etwa 50 Fällen zum tödlichen Verhängnis, schätzt Rupert Kisser vom Institut "Sicher leben".

Besonders gefährdet seien Kleinkinder, die noch nicht schwimmen können, während ältere Menschen häufig gesundheitliche Probleme mit Herz oder Kreislauf in Schwierigkeiten brächten, erklärt Kisser. Jugendlichen dagegen wird oft ihr Übermut zum Verhängnis: etwa durch waghalsige Sprünge in uneinsichtige Gewässer oder übermäßigen Alkoholkonsum.

In vielen Fällen ignorierten die Schwimmer aber auch Zeichen beginnender Ermüdung. Gerade Kreislaufprobleme oder Muskelkrämpfe könnten im Wasser fatale Folgen haben, warnt Kisser.


Risikogruppe Männer

Oft sind aber auch "Selbstüberschätzung oder Lausbubenstücke" die Ursachen für ein Unglück, erklärt Manfred Dostal, Einsatzleiter der Steyrer Wasserrettung. Das Nichtbeachten der Gefahr hätte etwa vergangenes Wochenende zum Ertrinken des 13-jährigen Buben und dessen Vater im Steyrer Wehr geführt. Männer stellten eine eigene Risikogruppe dar, weil sie eher zu Überschätzung ihrer Kondition neigten: "Drei von vier Ertrinkungsopfern sind männlich", erklärt Dostal.

Zur richtigen Vorgangsweise im Falle eines Schwächeanfalls beim Schwimmen rät er: "Einfach eine Ruhepause einlegen, kreuzhohl auf den Rücken legen und zehn Minuten leichte Tempi machen." Längere Schwimmstrecken sollten niemals alleine bewältigt werden oder zumindest ein Schwimmbehelf mitgenommen werden.

Gerät hingegen ein Mitschwimmer in Not, muss versucht werden, dessen Kopf über Wasser zu halten, gleichzeitig sollte man beruhigen, um Panik zu vermeiden. Ein Ertrinkender könne nur noch mithilfe der "Rettungsgriffe", die auch die Wasserrettung anwendet, innerhalb von maximal 15 Minuten gerettet werden, so Dostal. Diese Griffe sollten Vielschwimmer wie auch Wassersportler beherrschen, um zu vermeiden, dass der Rettende ebenfalls in Not gerät. (etz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31. 8. 2001)

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