Neugebauer: In der Post "klar Schiff" machen

30. August 2001, 19:35
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Oberster Christgewerkschafter widerspricht Schüssel in Sachen Urabstimmung

Wien - Die schwarzen Gewerkschafter wollen sich die ÖGB-Urabstimmung von ÖVP-Chef und Kanzler Wolfgang Schüssel nicht schlecht reden lassen. Schüssel sieht in der Urabstimmung ein "Ablenkungsmanöver" - der oberste Beamtengewerkschafter und ÖGB-Vize Fritz Neugebauer widerspricht: "Die Abstimmung ist ein demokratisch legitimiertes Instrument, das wir vor dem Sommer beschlossen haben. Ich wüsste nicht, welches Ablenkungsansinnen dahinter steckt."

Neugebauers Stellvertreterin Christine Gubitzer assistiert im Standard-Gespräch: "Man soll die Leute nicht bevormunden und sagen, dass die Regierung die Antworten gibt. Es geht um Verschlechterungen für Arbeitnehmer. Auch die Regierung wäre gut beraten, zu hinterfragen, was sie den Leuten zumutet. Dann ist man am Wahlabend nicht überrascht. Und überhaupt muss die Regierung schon ein sehr schlechtes Gewissen haben, wenn sie von vornherein damit rechnet, dass bei der Urabstimmung ein Nein zu ihren Maßnahmen und Plänen herauskommt."

Es geht nicht nur um Kampfmaßnahmen

Aus ähnlicher Motivation will Neugebauer im Standard- Gespräch die Urabstimmung auch "als Appell an die Regierung, sich zu Sachfragen wie der Versicherungspflicht zu äußern" verstanden wissen: "Es geht nicht nur um Kampfmaßnahmen." Ob er ein Problem hätte, als schwarzer Gewerkschafter gegen einen ÖVP-Kanzler zu streiken? "Streik ist nicht etwas, wo man auf den Knopf drückt. Ohne hohe Sensibilisierung sagt man nicht, man streikt." Prinzipiell gehöre Streik aber zu einer gewerkschaftlichen Organisation dazu.

Dass die Urabstimmung trotz der Post-Gagenaffäre ein Erfolg werden könne, davon ist Neugebauer überzeugt. In dieser Post-Gagenaffäre kommt der Christgewerkschafter Manfred Wiedner immer mehr unter Druck, obwohl Wiedner erneut dementierte, vom neuen Gehaltsschema finanziell profitiert zu haben. Dass er angeblich nächstes Jahr in eine höhere Gehaltsstufe vorgerückt wäre, kommentierte er nicht.

Neugebauer will dazu nur so viel sagen: "Der Vorstand als auch die Personalbvertretung der Post sind gut beraten, das Gehaltsschema lückenlos ans Licht zu bringen. Ich werde öffentlich keine Ratschläge erteilen - außer dem, klar Schiff zu machen." (eli/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31. August 2001)

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