Lipobay in Italien immer stärker im Visier der Staatsanwälte

30. August 2001, 15:19
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Bayer-Produkt wird für mehrere Todesfälle verantwortlich gemacht

Rom - In Italien gerät der deutsche Bayer-Konzern wegen der gefährlichen Nebenwirkungen des Cholesterinsenkers Lipobay/Baycol immer stärker unter Druck. Der Turiner Staatsanwalt Raffaele Guariniello, der vor zwei Wochen eine Untersuchung gegen die Geschäftsführer der italienischen Tochter des Pharmakonzerns, Bayer Italia, eingeleitet hatte, bekundete, dass gegen das Unternehmen wegen "fahrlässiger Katastrophe" ermittelt werde. Dies sei damit begründet, dass das Unternehmen mit seiner Verhaltensweise eine unbestimmte Zahl von Personen gefährdet und soziale Unruhe verursacht habe.

Anti-Doping-Ermittlungen

Guariniello, der wegen seiner Anti-Doping-Ermittlungen international bekannt geworden ist, will die Situation von 100 Italienern klären, bei denen das Medikament gravierende Nebenwirkungen ausgelöst hat. Die meisten Fälle wurden in Piemont gemeldet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt vor allem zum Tod einer 70-jährigen Frau, die Lipobay eingenommen hatte. Sie starb vor zehn Tagen in einem Krankenhaus in Rom. Ihre Enkelin reichte Klage ein. Auch im Todesfall einer älteren Frau in Bologna wird das Medikament verdächtigt.

Erster Fall bereits im Jahr 1998

Laut Guariniello war der erste Fall bereits im Jahr 1998 angezeigt worden, dennoch gab es keine rechtlichen Schritte. Der Staatsanwalt schließt nicht aus, dass die italienischen Gesundheitsbehörden über die Gefährlichkeit des Produkts informiert waren. Bayer hatte den Cholesterinsenker seit dem 8. August nicht mehr verkauft, nachdem weltweit 52 Todesfälle gemeldet wurden, die auf die Einnahme des Lipobay zurückgeführt worden waren.

Italienische Verbraucherschutzverbände forderten inzwischen eine verbesserte internationale Überwachung von Arzneimitteln. Der Pharmakologe Silvio Garattini sagte: "Man kann von den Pharmaindustrien keine objektiven Kontrollen verlangen. Eine unabhängige Behörde muss die Bürger vor Medikament mit gefährlichen Substanzen schützen." (APA)

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