Euro-Designer: "Ich wurde nicht eingeladen"

30. August 2001, 16:25
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Die Präsentation der neuen Banknoten fand ohne ihren Designer, dem Österreicher Robert Kalina, statt

Wien - Die mit Spannung erwartete Präsentation der ersten Euro-Banknoten durch die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt fand ohne den Mann statt, der den Scheinen ihr Aussehen gegeben hat: Robert Kalina, Designer der von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) ausgelagerten Banknotendruckerei in Wien. Der Grund für sein Nicht-Erscheinen: "Ich wurde nicht eingeladen", meinte Kalina, längst mit anderen Projekten "zugedeckt", lakonisch.

"Auch in der Realität tragfähig"

Die Entwürfe Kalinas für die Euro-Banknoten waren 1996 vom Europäischen Währungsinstitut, dem Vorläufer der EZB, im Rahmen eines Wettbewerbs als die besten gekürt worden. Der seit 1976 für die Nationalbank tätige Designer hatte fiktive Brücken, Fenster und Türen aus verschiedenen Baustilen als Motive für die sieben verschiedenen Scheine gewählt - als Symbole für Zusammenarbeit, Offenheit und Vertrauen. Sein Ziel war, Europa in seiner Gesamtheit zu symbolisieren, ohne dabei ein bestimmtes Land hervorzuheben. Kalina hatte sich intensiv mit bestehenden Bauwerken auseinandergesetzt, um deren Architektur zu studieren. Die dargestellten Brücken, sagt er, wären auch in der Realität tragfähig.

"Das alles ist aber schon so lange her", meinte Kalina am Donnerstag. "Meine Arbeit war in dem Augenblick abgeschlossen, als die Druckmaschinen angelaufen sind." Die erste Präsentation der Euro-Banknoten ist für ihn nicht mehr als eine weitere Hürde, die im Zuge der Einführung der neuen Einheitswährung geschafft ist. Insgesamt werden rund 14,5 Mrd. Euro-Banknoten gedruckt.

"Häufig angesprochen"

In jüngster Zeit werde er wieder vermehrt auf seine Arbeit angesprochen, sagte Kalina. "Damals, als der Wettbewerb entschieden war, war es für mich schon ein angenehmes Gefühl." Pekuniär hat es das Leben des Designers nicht arg verändert. Der Sieg war nicht mit einem Preisgeld verbunden, die Nationalbank dankte ihrem Mitarbeiter aber mit einer Prämie.

Unterdessen arbeitet Kalina schon längst an Designs von Wertpapieren und Banknoten anderer Staaten. Die von der Nationalbank ausgegliederte Banknoten-Druckerei bemüht sich permanent um Aufträge. Welche Banknoten er gerade "in Arbeit" hat, darf Kalina nicht bekannt geben. "Es sind jetzt vor allem ehemalige Ostblockländer, die neue Banknoten einführen", sagte er nur. (APA)

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