Österreicher gegen Privatisierung von Wald und Wasser

30. August 2001, 15:22
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Verkäufe von natürlichen Ressourcen treffen auf vehementes Nein der Bevölkerung

Wien - Die österreichische Bevölkerung lehnt mit deutlichen Mehrheiten die Privatisierung natürlicher Ressourcen zur Sanierung des Staatshaushaltes sowie den Verkauf/die Liberalisierung der Wasserversorgung/-entsorgung ab. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Donnerstag der Öffentlichkeit vorgestellte Umfrage des Linzer "market"-Instituts. Während beim Telefonnetz noch eine relative Mehrheit für die Privatisierung eintritt, wird der Verkauf von Trinkwasser-Versorgungsunternehmen zu 74 Prozent, jener von Staatswäldern zu knapp zwei Drittel abgelehnt. Gerhard Heilingbrunner vom Umweltdachverband ÖGNU - dem Auftraggeber der Studie - forderte die Regierungsparteien auf, die "natürlichen Ressourcen unter Verfassungsschutz zu stellen".

Wenig überraschend lehnen die Österreicher - den politisch ohnedies nicht intendierten - Verkauf etwa von Nationalparks, der Donau, des Stephansdoms etc. praktisch einhellig ab. Stärkste Ablehnung findet auch der Gedanke eines Verkaufs von Wasserversorgungsgebieten bzw. von Trinkwasserverorgungsunternehmen. Für die Privatisierung von Kanälen, Kläranlagen und Abwasserversorgungsunternehmen treten vergleichsweise etwas mehr - 17 bis 18 Prozent ein - das laute Nein einer überwiegenden Mehrheit stehe jedoch völlig außer Zweifel, sagte "market"-Chef Werner Beutelmeyer.

Regierung muss aufpassen

"Ich glaube, dass da die Regierung aufpassen muss", meint der Meinungsforscher. "Die Österreicher mögen der Privatisierung von Unternehmen grundsätzlich manches abgewinnen, im Bereich des Wassers und Abwassers und der Ressourcen schaut das aber ganz anders aus. Auch die Debatte um die Waldverkäufe durch die Bundesforste hat gezeigt, wie schnell da die Emotionen hochgehen." 63 Prozent der Befragten lehnten Verkäufe von Bundesforste-Wäldern und 48 Prozent jene von Jagden der Bundesforste ab.

Die Ergebnisse der "market"-Umfrage bestätigen die Erkenntnisse einer von vor zwei Wochen veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts OGM, in der ebenfalls mehr als zwei Drittel gegen Waldverkäufe und gegen eine Liberalisierung der Wasserwirtschaft eingetreten waren.

Zusätzlich zum deutlichen Nein für den Verkauf von Grund und Boden, Wald und Wasser zeigt die neueste "market"-Umfrage eine nach wie vor eher skeptische Einstellung der österreichischen Bevölkerung zur Privatisierung von Staatsvermögen: Eine relative Mehrheit grundsätzliche Vorbehalte gegen diesen Weg der Budgetsanierung. Lediglich beim Telefonnetz treten laut "market" mehr Befragte für dessen Abgabe an private Konzerne ein als für dessen Beibehaltung im Staatsvermögen.

Im Großen und Ganzen schälen sich für "market"-Chef Werner Beutelmeyer drei Meinunsggruppen heraus: Beinahe ein Viertel der Befragten macht auf die Grundsatzfrage zur Privatisierung keine Angaben, 44 Prozent sind "eher dagegen", 33 Prozent "eher dafür": "Die Österreicher präsentieren sich nicht besonders verkaufsfreudig, was das Volksvermögen anbelangt."

Nicht besonders verkaufsfreudig

Vorstellen können sich Herr und Frau Österreicher noch am ehesten, neben der Telekom Austria die Post, die "verstaatlichten" Stahlwerke, die AUA oder die ÖMV zu verkaufen - aber selbst bei den genannten Unternehmen überwiegt die Zahl der Gegner. Bei den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) sind 29 Prozent dafür oder "eher dafür", 53 Prozent lehnen den Verkauf - meist vehement - ab. Auch gegen die Abgabe der Verbundgesellschaft oder der oberösterreichischen Energie AG kommen satte Mehrheiten zustande. (APA)

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