"Gabba gabba hey!"

30. August 2001, 23:12
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Vor 25 Jahren erfanden die Ramones den Punkrock. Die ersten vier Alben der US-Band liegen nun wieder vor

"Hey ho, let's go!" Die musikalische Moderne beginnt vor genau 25 Jahren mit einem dem Song "Blitzkrieg Bop" entnommenen Schlachtruf, der die Jugendkultur nachhaltig verändern sollte. 1976, nach zweijährigem Probegalopp in einem Übungskeller im New Yorker Stadtteil Queens hatten die vier falschen Ramones-Brüder sich mit ihren beherzt räudigen Liveauftritten im heruntergekommenen Club CBGB's in der noch heruntergekommeneren Bowery von Manhattan nicht nur einen veritablen Ruf als wahlweise hundsgemeine Rock'n'Roll-Zerstörer oder -Erneuerer erspielt. Mit dem nur knapp 29 Minuten dauernden und 14 Songs beinhaltenden Debütalbum Ramones wurde damals auch die sich langsam im Umfeld des CBGB's formierende US-Punkbewegung mit ihren bis heute gültigen Manifesten beziehungsweise Blaupausen ausgestattet. Von dieser Mutter aller Punkrock-Platten stammt alles ab. Der Rest, der nach den Ramones kam, war und ist stilistisches Pippifax. Tempiwechsel, Umgreifen, "Arrangements", "lyrische Eingebungen".

Die Ramones kamen damals als bis hin zum Cartoon-Charakter verdichtete Band in die Popwelt, die in einer hin zur Hochgeschwindigkeit frisierten Neudeutung klassischer Rock'n'Roll-Elemente, die vom 50er-Doowop-Kitsch bis zu den Garagenbands der mittleren 60er-Jahre und dem Girlband-Sound von Phil Spector reichte, höhnisch alles niedermähte, was damals hoch im Kurs stand und in seiner Opulenz und Großmannssucht (David Bowie, Genesis, Led Zeppelin . . .) zu einer Versteinerung in der Szene gesorgt hatte. In zerrissenen Jeans, Lederjacken, Beatles-Mülleimer-Frisuren und ausgelatschten Turnschuhen und einer cool und zynisch zur Schau getragenen Mischung aus "street wise" und strunzdumm wurde der eigentliche Kern von Rock'n'Roll revitalisiert, der Song. Dieser wurde mit drei Akkorden aus den Ver- stärkern gejagt. Er musste ohne individuellen Ausdruck und stilistische Ziselierungen sein Auslangen finden.

Neben Blitzkrieg Bop gelten hier vor allem Beat On The Brat oder Now I Wanna Sniff Some Glue als zentrale Statements, ausgeführt anhand der Devise: "Rock'n'Roll sollte aus nicht mehr als drei Worten und einem Refrain bestehen. Und die drei Worte sollten gut genug sein, um mit ihnen alles ausdrücken zu können." Auch die Nachfolgealben Leave Home, Rocket To Russia und Road To Ruin variierten bloß dieses Postulat und brachten mit Rockaway Beach, Sheena Is A Punkrocker, Teen- age Lobotomy oder I Wanna Be Sedated ewige Evergreens - sowie den nach "Hey ho, let's go!" zweiten Schlachtruf des Punk: "Gabba Gabba Hey!"

Bis Mitte 1996 veröffentlichten die Ramones insgesamt 20 Platten und gingen dann in Rente. Sänger Joey Ramone verstarb heuer im Frühjahr nach langer schwerer Krankheit. Die legendären ersten vier Alben der Band sind nun inklusive bis dato unveröffentlichter Live- und Demoaufnahmen wiedererschienen. Essentieller Lehrstoff für die Rock'n'Roll Highschool. (DER STANDARD,Print, RONDO, 31.08.2001)



Ramones im Vertrieb von Warner
-- Ramones im Web
Von Christian Schachinger
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