Eine Empfehlung...

30. August 2001, 22:16
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Es lag Monate lang bei uns zu Hause herum. Zuletzt unter einem Stapel von Handtüchern im Bad. Es kam als Empfehlung in unseren Haushalt, als Mitbringsel eines Freundes. Dem hatte es geholfen. Jahrzehntelang war auch er ein Unverbesserlicher gewesen. Nun sei er der "Selbstversklavung" entkommen, und das noch dazu "ganz einfach". Jetzt missioniert er ungeniert. Hinterlässt überall dieses "Geschenk", als würde er sein Territorium markieren, und gibt sich widerlich wohlwollend. Nicht, dass er jetzt nur mehr davon reden würde. Im Gegenteil, er spricht es nicht einmal an. Aber es hat ihn verändert. Bedenklich verändert. Dauernd hat der jetzt Geschmackserlebnisse, als wäre er ein Neugeborenes. Alles neu: Tomate neu, Brot neu, Veltliner neu! Das ganze Leben - neu! Nicht einmal d i e danach würde ihm abgehen, behauptet der Freund. Und so hat er begonnen, sich auch von anderweitig Versklavendem zu verabschieden. Jetzt sei er frei, mache alles nur mehr ganz "bewusst". Körperertüchtigung zum Beispiel, oder Riechen, oder stilles Mineral von heraußen trinken, selbst Scheißen. Wie er dann bemerkte, dass er jetzt auch weitaus produktiver sei, habe ich ihn hinausgeschmissen.

Wie es unter die Handtücher kam, weiß ich nicht, jedenfalls aber lag es unlängst zu meinen tropfenden Füßen und grinste blöd: "Endlich Nichtraucher!" Weil ich ein neugieriger Mensch bin, Gedrucktes in jeder Form mich anzieht, und ich auch sonst gerade nichts vorhatte, las ich es an. "Ich werde die Raucher dieser Welt heilen!" Schon dieser erste Satz hat mich so etwas von verärgert. Ich musste weiterlesen. Von "gemeinen Fallen" wusste das Geschwätz zu berichten, von "Gehirnwäsche", "Versuchungen" und "falschen Motivationen", von "sozialem Druck" und "sinkenden Schiffen". Und gegen all das gab es nur ein Rezept: "Die einfache Methode des Aufhörens. "

Zugegeben, ich hatte schon auch hin und wieder daran gedacht, mir die bedrohlichen schwarzen Schatten auf beiden Lungenflügeln ausgemalt, während der morgendliche Brechreiz mich schüttelte. Aber dann fiel mir immer rechtzeitig ein, dass so ein Sanatorium in den Schweizer Bergen ganz ungemein romantisch, ja hocherotisch sein kann. Ich hatte dann das Röntgenbild meines Kurschattens vor Augen und war glücklich. Und dann, gleich im zweiten Kapitel, hat Allen Carr, der amerikanische Wunderheiler, der unseren Freund auf dem Gewissen hat, einen Fehler gemacht: Hören Sie nicht auf zu rauchen, bevor Sie mein Buch zu Ende gelesen haben!

Jetzt liegt es wieder unter den Handtüchern. Und manchmal, wenn ich in der Badewanne eine rauche, greife ich es mir, und schmökere ein wenig. Ganz bewusst, nur zum Genuss, damit es mir lange Freude bereiten werde.

Von
Markus Mittringer

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