U-Bahn und Ausblick

30. August 2001, 14:04
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Wohnviertel wie aus einer Sciencefiction Serie

E. meint, der nächste, der ihr von "Logan's Run" erzählt, wird auf ihre Wohnungseinweihungsparty nicht eingeladen. E. zieht gerade ein. In eine der Wohnungen, an der Coop-Himmelb(l)au-Wand. Und hat es mittlerweile satt, ständig die Geschichte vom Film über die künstliche Stadt zu hören. In der nur Junge und Schöne leben, die nicht wissen, dass es draußen auch ein Leben gibt. Und die "entsorgt" werden, wenn sie nicht mehr jung und schön sind.

Sciencefiction

In dem Sciencefiction-Film aus den 70er-Jahren, sagt E., gibt es keine U-Bahn, die in die Stadt fährt. Bei ihr schon. Ob man denn glaube, sie sei völlig verblödet und würde in ein abgelegenes Getto ziehen? Gerade sie? Eben.

Auch das mit den Jungen, meint E., könne man "so" nicht sehen: Es läge doch in der Natur des menschlichen Lebens im Allgemeinen und der Sesshaftigkeit mittelalter Mitteleuropäer im Besonderen und dem statistischen Familiengründungsalter im ganz Speziellen, dass es halt eher nicht die Alten sind, die in neue Wohnviertel zögen. Das müssten doch gerade die wissen, die in den Gemeindebauten der 60er und 70er aufgewachsen sind. Aber, sagt E. und schaut aus dem Fenster über den Prater zur Donau, sie könne schon verstehen, dass die besonders neidig sind: Schließlich wären wir alle Wiener. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD Print-Ausgabe 30.August 2001)

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