Minuspunkte für süße Säfte

30. August 2001, 10:48
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"Konsument" testete die angeblichen Durstlöscher

Wien - Man kennt sie aus dem Supermarktregal - bunte Safterl in schrill designten Flaschen und Packerln. Die meisten Kindergetränke sind aber keine idealen Durstlöscher. Das Verbrauchermagazin "Konsument" hat die süßen Verführer getestet und listet in seiner September-Ausgabe eine Reihe von Minuspunkten für Limo & Co. auf: Der Großteil der Produkte enthält den Fachleuten zufolge viel zu viel Zucker (in einem Fall gleich sechseinhalb Stück Würfelzucker in 0,2 Litern), künstliche Aromen und Farbstoffe.

"Hände weg von schrillbunten Säftchen", raten die Verbraucherschützer. Manche Farbstoffe stehen im Verdacht, Allergien auszulösen, beispielsweise Azo-Farbstoffe und Cochenillerot. Nur zwei getestete Produkte - abgesehen von den echten Fruchtsäften - kamen ohne den Zusatz von Aromen aus. Bei mehr als einem Drittel der Limonaden wurden Farbstoffe beigemengt.

Die Binsenweisheit "Süß macht durstig" wird von vielen Herstellern von Kindergetränken ignoriert. Spitzenreiter im Test war Dreh und Trink Kirsche mit einem Zuckergehalt von 13 Prozent, was 26 Gramm oder sechseinhalb Stück Würfelzucker pro 0,2-Liter-Flasche entspricht. "Mit nur einem Getränk erreichen etwa Zwölfjährige bereits rund die Hälfte der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen täglichen Dosis", warnen die Experten. Mehr als die Hälfte der untersuchten Getränke wies einen Zuckergehalt von zehn bis 13 Prozent auf, 16 Produkte bewegten sich im Bereich von acht bis zehn Prozent.

Fruchtsäfte verfügen von Natur aus über einen relativ hohen Anteil an Fruchtzucker. Bei den anderen Getränken rührt der süße Geschmack hauptsächlich von Haushalts-, teilweise von Traubenzucker her. "Bei Dauernuckeln droht Karies", lautet das Fazit der Tester.

Sechs Säfte mit niedrigerem Zuckergehalt helfen künstliche Süßstoffe auf die Sprünge (Aspartam oder Acesulfam K). Das spricht nur vordergründig für Kariesvorbeugung. Schon ein Liter enthält fast die für Volksschulkinder verträgliche Menge, die pro Tag nicht überschritten werden sollte. Süßstoffe sind aber auch in vielen Zuckerln, Kaugummis und Milchprodukten enthalten - da ist eine "Überdosierung" schnell beisammen.

"Konsument" hat die Getränke auch in puncto Geschmack testen lassen, und zwar von den echten Experten: Eine Volksschulklasse trat zur Verkostung an. Dabei zeigte sich, dass so mancher beliebte Saft nicht mehr so gut schmeckt, wenn er statt in der bunten Flasche im neutralen Glas serviert wird. Unter den Top Ten im Kindermund fanden sich übrigens zur Hälfte reine Fruchtsäfte, obwohl sie unter den untersuchten Produkten in der Minderheit waren.

Die Alternativen: Besser als süße Safterl sind "Kindergespritzte" - echten Fruchtsaft aus Orangen oder Äpfeln mit Leitungs- oder Mineralwasser verdünnen. Das kommt auch viel billiger: Während die vom Handel angebotenen "Kindergetränke" 20 bis 30 Schilling pro Liter kosten, kommt ein Glas aufgespritzter Fruchtsaft auf 60 Groschen bis 1,50 Schilling.

So viel "Natur" muss in den verschiedenen Getränketypen enthalten sein: Beim Fruchtsaft muss der Fruchtanteil 100 Prozent betragen. Bei Nektar, Fruchtsaftlimonade oder -getränk darf es weniger sein. Limonaden müssen überhaupt kein natürliches Obst enthalten. Je geringer der Fruchtanteil, desto größer ist die Menge von Zusätzen, die dem Ausgangsprodukt - Wasser - Farbe, Geschmack, Säure und Süße verleihen. (APA)

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