Robertson schließt längeren Nato-Einsatz in Mazedonien nicht aus

30. August 2001, 11:19
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Konflikt sei keine langfristige Aufgabe für das Bündnis

Berlin/Skopje - NATO-Generalsekretär George Robertson hat am Donnerstag nicht ausgeschlossen, dass der NATO-Einsatz in Mazedonien länger als die geplanten 30 Tage dauern könne. "Wenn die Mission, die Waffen einzusammeln und zu zerstören, einige Tage länger dauert, dann soll es eben so sein", schrieb Robertson in einem Beitrag, den die "Financial Times Deutschland" in ihrer Online-Ausgabe veröffentlichte.

Keine langfristige Aufgabe für das Bündnis

Er bekräftigte jedoch, dass es "schlicht keine langfristige Aufgabe für das Bündnis in diesem Konflikt" gebe. Der britische Außenminister Jack Straw sagte, eine veränderte Lage in Mazedonien könne auch ein verändertes Mandat für die NATO zur Folge haben.

NATO und mazedonische Regierung hätten klare Ziele

Robertson schrieb, es gebe keinen General, der mit einer Stoppuhr am Flughafen stehe. NATO und mazedonische Regierung hätten ein zeitlich und operational klar definiertes Ziel des Einsatzes gewollt. "Das bedeutet nicht, dass die Unterstützung der NATO für den Friedensprozess damit aufhört." Das Engagement werde jedoch politisch sein. Robertson hatte die auf fast 4000 Mann ausgelegten NATO-Truppen am Mittwoch in Mazedonien besucht und sich über den Stand der Waffenabgabe durch die albanischen Rebellen informieren lassen. Das Bündnis zeigte sich zufrieden mit der in den ersten vier Tagen erreichten Zahl von rund 1000 abgegebenen Waffen, etwa einem Drittel der angestrebten 3300 Waffen.

Erste 500 deutschen Soldaten der NATO-Operation

"Wenn sich das Risiko für die Truppen bedenklich erhöht, sie unter Feuer kommen, dann werden die NATO und ihre Kommandanten eine sehr schnelle und prompte Entscheidung zu ihrer Situation treffen müssen", sagte Straw dem britischen Fernsehsender BBC. Großbritannien stellt einen großen Anteil der NATO-Truppen in Mazedonien. Straw wird am Donnerstag nach Skopje reisen, ebenso wie der deutsche Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD). Nach der Zustimmung des Bundestages flogen am Mittwochabend die ersten der 500 deutschen Soldaten der NATO-Operation nach Mazedonien.

Chance Internen Konflikt beilegen

Zum Abschluss seines eintägigen Besuchs in dem Balkanland sagte Robertson am Mittwochabend: "Das Land hat nun die Chance zu zeigen, dass es möglich ist, einen internen Konflikt beizulegen, bevor die Straßen voller Blut sind." Seit Februar kämpften im Norden des Landes albanischstämmige Rebellen gegen die mazedonische Armee. Unter dem Druck des Westens hat Mazedonien in einem Friedensabkommen Reformen zugesagt, die die Lage der albanischen Minderheit im Land verbessern sollen. Die Rebellen haben sich daraufhin bereit erklärt, ihre Waffen niederzulegen.

Waffenabgabe und Einleitung der Ratifizierung des Friedensabkommens

Dem Parlament falle nun die Aufgabe zu, im Gegenzug zur Waffenabgabe der albanischen Rebellen die Ratifizierung des Friedensabkommens einzuleiten, sagte Robertson vor seiner Abreise. Der Ratifizierungsprozess im mazedonischen Parlament beginnt am Freitag. Westliche Diplomaten warnten davor, dass man sich nicht automatisch auf die Zustimmung des Parlaments verlassen könne. Viele Mazedonier werfen der NATO vor, die Rebellen mit Samthandschuhen anzufassen, obwohl sie das Land an den Rand eines Bürgerkrieges gebracht hätten. (APA/Reuters)

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