Ein alter Traum, neu inszeniert

29. August 2001, 20:16
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Der Zeppelin schwebt wieder, vorerst über dem Bodensee

Bregenz - Berthold Fischer und Robert Dickreiter, zwei agile 70-Jährige, genehmigen sich "eine Maß". Sie feiern die Erfüllung ihres Bubentraumes. Eine Urkunde der Deutschen Zeppelin Reederei vor sich, die sie als Passagiere eines Zeppelin-Fluges ausweist, strahlen sie um die Wette.

Kein Wunder, haben sie doch als Buben schon sehnsüchtig hinaufgeschaut zum Zeppelin, den damals noch der Graf in den Himmel und Richtung Amerika schweben ließ. "Barfüßig sind wir Buben dort gestanden und haben beim Starten und Landen zugeschaut", erinnert sich Herr Fischer. Mitfliegen, diese Sehnsucht haben sie freilich Jahrzehnte später stillen können. Die beiden "richtigen Zeppelinfans" sind Teil einer weltweiten Gemeinde.

Über 4000 Mitglieder zählen die Fördervereine, gegründet, als die deutsche Zeppelin GmbH begann, das Revival der Luftschifffahrt vorzubereiten. Dass sie an die Wiedergeburt der Zeppeline allen langwierigen Genehmigungsverfahren zum Trotz geglaubt haben, bringt den Vereinsmitgliedern nun, da der Zeppelin zur Tourismusattraktion am Bodensee wird, Privilegien. "Wir wurden bevorzugt, mussten nicht auf die Warteliste", freut sich Robert Dickreiter und prostet seinem Vereinskollegen zu.

Markenmythos

Das neue alte Transportmittel kommt an. Weil der Zeppelin "einen Markenmythos hat wie Coca-Cola" und weil man in schnellen Zeiten "langsames Reisen zu Luft" wieder genieße, begründet Marketingchef Oliver Schütz.

Auf zwei Jahre hinaus sind die Rundflüge ausgebucht. Der Spaß ist freilich mit 600 Mark/4200 Schilling pro Person ein teurer. Sechsmal täglich fliegen die Luftschiffe von Friedrichshafen aus zu einstündigen Rundflügen Richtung Konstanz oder Bregenz. Maximal zwölf Passagiere fasst die Gondel des 75 Meter langen Hightech-Luftschiffes. Die Kabine ist im Vergleich zum Heliumballon, der an eine riesige Weißwurst erinnert, zierlich. 8225 Kubikmeter Volumen hat die unbrennbare Hülle. Schwenkpropeller garantieren die Manövrierfähigkeit; ein ausgeklügeltes Antriebskonzept lässt den Zeppelin senkrecht starten und landen. "Er schwebt", jubelt da das Publikum am (Flug-) Hafen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30. 8. 2001)

Von STANDARD-Mitarbeiterin Jutta Berger

Zeppelinflug.de
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    foto: zeppelinflug.de
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