Sahara-Staub verursacht giftige Algenblüte in US-Gewässern

29. August 2001, 20:08
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Nährstoffe fliegen weit

Washington/Innsbruck - Jeden Sommer wirbeln Stürme über Nordafrika eine Milliarde Tonnen Staub hoch in die Atmosphäre. Weht der Wind nach Westen, kommt es im Herbst zu giftigen Algenblüten vor den Küsten Floridas. Dort geht der Wüstenstaub nieder und nährt mit seinem Eisen Bakterien, die ihrerseits den Stickstoff im Wasser für andere Lebensformen verfügbar machen, vor allem für Algenblüten, an deren Gift viele Meeresbewohner sterben.

Mit diesem Befund haben Forscher der Nasa und der University of Florida nun erstmals quantitativ nachgewiesen, was man qualitativ schon kennt: Sahara-Staub kommt auch nach Südamerika und düngt den nährstoffarmen Regenwald. Und er macht karibische Inseln überhaupt erst fruchtbar. Aber der Wind weht nicht immer nach Westen: "Wir haben das in den Alpen auch schon beobachtet", berichtet Birgit Sattler (Limnologie, Uni Innsbruck) dem STANDARD: "Es kommt oft Wüstenstaub, der im Schnee rasch von Bakterien besiedelt wird, vermutlich wegen seines Phosphors."

Fallen Krankheiten vom Himmel?

Dieser Staub wird aber nur besiedelt, er bringt selbst kaum Bakterien mit. Deshalb ist Sattler höchst skeptisch gegenüber der in den USA geäußerten Vermutung, mit dem Wind aus der Wüste kämen nicht nur Nährstoffe nach Florida, sondern auch für Menschen gefährliche Bakterien. "Dass Krankheiten vom Himmel fallen, grenzt schon an eine überdrehte Paranoia", urteilt Sattler, die selbst lebende Bakterien in Wolken identifiziert hat: "Natürlich ist nicht auszuschließen, dass sich auch pathogene Mikroben in der Atmosphäre verbreiten, aber wir haben in Wolken sehr wenige Bakterien gefunden und wissen gar nicht, ob auch pathogene darunter sind." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30. 8. 2001)

Von Jürgen Langenbach
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