Willi Mernyi - Chef des ÖGB- Kampagnenreferats

29. August 2001, 20:21
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Lieber Welt verändern als Kultur managen

Che Guevara, Revolutionär. Alfred Dallinger, Sozialminister. Seine politischen Vorbilder leben nicht mehr. Seine Lieblingsband heißt "Tote Hosen". Dass das ohne Symbolkraft und der ÖGB gar nicht tot ist, will Willi Mernyi ab Mitte September beweisen. Mit der Urabstimmung, die der Chef des ÖGB-Kampagnenreferats organisiert - zum Erfolg. Da ist Mernyi sicher, auch wenn die Postgagen "strategisch schmerzen" und "moralisch unendlich wehtun". Dem ÖGB und ihm, der nicht nur "in etwa" weiß, was er verdient: 23.000 Schilling netto.

Allein das Gehalt zeige, dass er Idealist sei, findet Mernyi. Hätte er doch mehr verdient, wenn er weiter als "akademisch geprüfter Kulturmanager" gearbeitet hätte. Aber er will nicht jammern. Weil er sich erstens freiwillig für den ÖGB entschied: "Entweder man sitzt abends mit Künstlern. Oder bei ÖGB-Sitzungen. Beides geht nicht." Und weil er zweitens ein wenig Eventmanagement im ÖGB verwirklicht. Wenn das Energiebündel bei der ÖGB-Demo im Simmeringer Slang Stimmung macht, im Popkonzertstil "Bei uns zu Gast - unser Anton Benya!" donnert, wird deutlich, dass die Bühne ihm liegt.

Das Kampagnisieren auch. Das hat er als Jugendlicher geübt, als er mit antifaschistisch Bewegten ("den Antifaschismus hat mir der Vater eingeimpft, ein heimatvertriebener Donauschwabe") Aktivitäten von Gottfried Küssel und anderen Rechten fotografierte und die Bilder der Polizei gab. Die Mixtur aus Abenteuer und politischem Engagement band ihn an den ÖGB, und weil er der "mit der größten Goschen" war, stieg er auf: Lehrlingsvertreter als Starkstrommonteur, Jugendvertrauensrat als Kulturmanager, ab 1993 Jugendsekretär. Demonstriert hat er schon damals, unter der rot-schwarzen Regierung, etwa beim "Lichtermeer". Und den Antifaschismus pflegt er als Leiter des Vereins "Mauthausen aktiv".

Vor drei Jahren, mit 30, befand sich Mernyi als zu alt für "Jugend" - und wurde Leiter der neuen Kampagnenabteilung: "Das war verdammt spannend. Wir haben Aktionen zu den Schwächen des Arbeitsamtes gemacht - und die Zauderer überzeugt, dass wir das dürfen." Seit der schwarz-blauen Koalition sind die Zauderer weniger und ist die Zustimmung zu Mernyi-Sätzen wie "Nichts gegen einen Kongress, aber fällt uns nichts anderes ein?" größer geworden. Dass Mernyi nicht in die Toskana fährt, sondern mit Frau und siebenjährigem Sohn nach Griechen- land, ist auch moderner.

Bei der Toskana-Fraktion war Mernyi nie. Nicht weil er kein Roter wäre, sondern weil seine Liebe nie der SPÖ, sondern immer dem ÖGB gehört. Warum? - "Da können Sie ruhig lachen. Aber ich will die Welt verändern. Und die Organisation, in der das am besten geht, ist der ÖGB mit den vielen Mitgliedern." (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 30.8.2001)

Von Eva Linsinger
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