"Geheimdienst hat Polizei sehr genau informiert"

29. August 2001, 18:15
6 Postings

Minister weist Vorwurf der mangelnden Information zurück

Rom - Der italienische Minister für öffentliche Verwaltung und Sicherheit, Franco Frattini, hat Vorwürfe zurückgewiesen, wonach die Geheimdienste die Polizei nicht ausführlich genug über die Gefahr eines Ansturms von Mitgliedern der Anarchistengruppe "Black Block" aus dem Ausland während des G-8-Gipfels in Genua Ende Juli informiert habe. Die italienischen Geheimdiensten hatten Monate lang vor dem Gipfel gearbeitet und mit den Sicherheitskräften anderer Länder eng kooperiert, sagte der Minister.

Dossiers über gefährlichsten Gruppen verfasst

"Die Geheimdienste haben wichtiges Beweismaterial über die Initiativen gesammelt, die die Demonstranten in Hinblick auf den G-8-Gipfel planten. Sie haben über 200 Dossiers mit Informationen über die gefährlichsten extremistischen Gruppen verfasst. Sie enthalten Namen und Adressen der Mitglieder dieser Organisationen. Aus den Dokumenten geht deutlich hervor, dass sich mehrere Banden auf echte Straßenschlachten in Genua vorbereiteten", so Frattini.

Der Minister betonte, die Dossiers würden den Staatsanwälten von Genua zur Verfügung stehen, die um die Krawallen beim G-8 ermitteln. "Die Staatsanwälte sollen bewerten, ob diese Dokumente dazu beitragen können, die Ziele einiger extremistischen Gruppen zu beleuchten, die in Genua aktiv waren", sagte Frattini italienischen Medienberichten vom Mittwoch zufolge.

Polizeichef vernommen

Die parlamentarische Untersuchungskommission, die die Hintergründe der Unruhen in der ligurischen Hauptstadt zu klären versucht, vernahm am Mittwoch den abgesetzten Vize-Polizeichef von Genua, Ansoino Andreassi. Er verteidigte den Dachverband der pazifistischen Globalisierungskritikern "Genoa Social Forum" (GSF) von den Vorwürfen des Polizeichefs Francesco Colucci, wonach die No Global-Bewegung nichts unternommen habe, um die Anarchistengruppen zu isolieren.

"Der Verband darf nicht beschuldigt werden, die Gewalttätigen nicht isoliert zu haben. Der GSF hat zwar während der Demonstration einzelne Anarchisten gedeckt, man kann ihm aber nicht vorwerfen, den Black Block unterstützt zu haben", betonte Andreassi. Dem GSF, der sich mehrere internationale Anti-Globalisierungsgruppen angeschlossen haben, gehört auch die KPÖ an. (APA)

Share if you care.