US-Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen eBook-Hacker

29. August 2001, 16:27
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Internetaktivisten kündigen weltweite Proteste an

Die US-Staatsanwaltschaft erhebt formell Anklage gegen den Schöpfer des Programms Advanced eBook Processors, den russischen Programmierer Dmitry Sklyarov. Die Anklage stützt sich auf den in den USA umstrittenen Digital Millennium Copyright Act (DMCA) und umfasst fünf Punkte, die jeweils mit bis zu fünf Jahren Haft bedroht sind. Damit hat sich die Hoffnung der Electronic Frontier Foundation, den Fall außergerichtlich beizulegen, nicht erfüllt.

Bei einer Konferenz verhaftet

Sklyarov wurde im vergangenen Juli nach dem Besuch einer Konferenz in Las Vegas vom FBI verhaftet und kam später auf Kaution frei. Er war von Adobe wegen seines Programmes Advanced eBook Processor angezeigt worden. Die Software umgeht den Kopierschutz von Adobes eBook Reader und ermöglicht es Benutzern, ihre eBooks auf mehreren Geräten zu benutzen.

Adobe hatte Anzeige wieder zurück gezogen

Das US-Softwareunternehmen hatte in der Folge die Anzeige wegen der heftigen internationalen Proteste wieder zurückgezogen, die Staatsanwaltschaft verfolgt allerdings den Fall gegen Sklyarov weiter. Zusammen mit Sklyarov ist auch sein Arbeitgeber, das russische Softwareunternehmen Elcomsoft angeklagt. Das Unternehmen ist für die US-Justiz allerdings nicht fassbar. Wird Sklyarov in allen Punkten schuldig gesprochen, dann drohen ihm bis zu 25 Jahre Haft. Inzwischen fordern mehrere Internetseiten die Freilassung des Programmierers.

Erstes DCMA Verfahren

Das Verfahren ist der erste Test des DMCA vor Gericht. Nach Ansicht der Kritiker verstößt dieses Gesetz gegen die US-Verfassung. Sklyarov ist deswegen auch zu einer Symbolfigur der Internetaktivisten geworden. Die erste Verhandlung ist bereits am Donnerstag, den 30 August, geplant. Die EFF hat für den Zeitpunkt bereits mehrere Demonstrationen in Moskau, London, San Francisco, Los Angeles und Black Rock City (Nevada) angekündigt. (pte)

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