Gab es längerfristige ostgotische Besiedlung in Kärnten?

29. August 2001, 15:43
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Am Fuße des Hemmaberges wurden mehr als 150 Gräber freigelegt

Klagenfurt - In Südkärnten herrscht derzeit rege archäologische Tätigkeit. Am Fuße des Hemmaberges bei Globasnitz (Bezirk Völkermarkt) wurden bisher 157 Gräber freigelegt, die auf eine ostgotische Siedlung schließen lassen. Bisher war die Anwesenheit der Ostgoten in Kärnten lediglich durch wenige Zufallsfunde erwiesen.

Die jetzt freigelegten Gräber stammen aus der Zeit zwischen 493 und 536 nach Christus, mindestens doppelt so viele werden noch in der Erde vermutet. "Eindeutig ostgotisch unter den Funden sind die Adlerkopfbeschläge mit den Glaseinlagen und die silbernen Gürtelschnallen. Die Ohr- und Fingerringe sowie die Glasperlenketten geben aber keinen Hinweis auf soziale Stellung der Menschen", erklärt Grabungsleiter Franz Glaser.

Schädelverformungen

Ein archäologisches Unikat südlich des Alpenhauptkammes stellen Anzeichen künstlicher Schädelverformung bei zwei Skeletten dar. "Den Kindern wurden die Köpfe einbandagiert, damit sie turmartig in die Höhe wuchsen. Man kann aber von keiner typischen Modeerscheinung sprechen, sonst würden mehrere Skelette diese Verformung aufweisen", so Glaser.

Wie viele Menschen die Talsiedlung an der Straße zwischen Celeia und Virunum am Zollfeld bevölkerten, ist nicht klar. Solche Siedlungen, die im Abstand von 30 bis 40 Kilometern an den Straßen postiert waren, sorgten im Allgemeinen für die Reisesicherheit.

Welche Geheimnisse noch in der Globasnitzer Erde schlummern, soll in den kommenden Jahren geklärt werden. Diese Woche werden die Zeichenarbeiten abgeschlossen, dann sollen die bisher geborgenen Skelette für die Verbringung in das Naturhistorische Museum nach Wien transportfähig gemacht werden. Durch DNA-Analysen sollen auch Verwandtschaftsverhältnisse festgestellt werden. (APA)

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