Deutschland: Neue Regeln für Börsengänge

29. August 2001, 15:28
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Kodex soll bis Mitte 2002 erstellt werden und für den Neuen Markt verpflichtend sein

Frankfurt - Die Deutsche Börse will die Regeln für den angeschlagenen Neuen Markt weiter verschärfen. Nach Einschätzung von Experten bestehen vor allem Defizite bei der Qualität der Informationen und dem Verhalten bei Börsengängen sowie der Überwachungs- und Durchsetzungskompetenz der Aufsichtsbehörden. Dresdner Kleinwort Wasserstein, Shearman & Sterling, Roland Berger Strategy Consultants und die Deutsche Börse veröffentlichten am Mittwoch eine entsprechende Studie.

Die Deutsche Börse kündigte an, auf der Grundlage des Reports bis Mitte 2002 einen Kapitalmarktkodex für Unternehmen und Emissionsbegleiter beim Börsengang zu erarbeiten. Künftig soll der Börsenprospekt alleinige Informationsgrundlage des Anlegers sein, die Prospektqualität soll erhöht und die Sprache vereinfacht werden. Außerdem soll die Verteilung von Research Reports unmittelbar vor und nach einem Börsengang beschränkt werden.

Am Neuen Markt verpflichtend

Die Deutsche Börse will die Einhaltung des Kodex für den Neuen Markt verpflichtend einführen. Für Börsengänge in anderen Segmenten soll der Kodex auf freiwilliger Basis gelten.

Der Neuer-Markt-Report belege zwar, dass der deutsche Kapitalmarkt und vor allem der Neue Markt gegenüber den amerikanischen Strukturen und Börsen nachhaltig aufgeholt hätten. Die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen am Neuen Markt seien im internationalen Kontext wettbewerbsfähig. Es gebe allerdings noch Defizite. Dazu zählten die Experten auch den rechtlichen Rahmen, hier müsse der Gesetzgeber aktiv werden.

Die Rechtsexperten von Shearman & Sterling empfahlen, die bestehenden Börsenaufsichtstrukturen zu vereinfachen und die geltenden Haftungstatbestände zu verschärfen. Notwendig sei ferner eine Erhöhung der angedrohten Strafen sowie eine konsequente Verfolgung von Rechtsverstößen. (APA/AP)

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