I-Online wehrt sich gegen Mutter YLine

29. August 2001, 19:11
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Blue Bull hinterlegt "YLine-Paket" für IBM

Wien - Der Internetdienstleister YLine AG bekommt nun Druck aus den eigenen Reihen. Und zwar von der Softwarefirma I-Online, an der die Wiener YLine beteiligt ist. Über die Höhe des Aktienpakets, mit dem die an der Wiener Börse und Brüsseler Nasdaq Europe notierte YLine sich bei I-Online eingekauft hat, herrschen an beiden Unternehmensfronten unterschiedliche Auffassungen.

YLine-Chef Werner Böhm will zurzeit 68 Prozent der I-Online-Aktien besitzen und sein Aktienpaket wie angekündigt auf 75 Prozent erhöhen. Friedrich Scheck, Gründer und Aufsichtsrat von I-Online und in der Vorwoche vom YLine-Aufsichtsrat zurückgetreten, will dagegen nur 20 Prozent der Aktien bisher an YLine abgegeben haben, wie er dem STANDARD mitteilte.

Drei Etappen

In einem Rahmenvertrag vom 20. April 2001 wurde vereinbart, über die SoftInvest Beteiligung GmbH insgesamt 80 Prozent der I-Online-Aktien an YLine zu verkaufen. In insgesamt drei Etappen soll die YLine die Anteile bis Mitte Dezember 2001 erwerben. "Bis zum heutigen Tag sind die im Rahmenvertrag vereinbarten Kaufpreise weder bezahlt noch die Aktien übertragen worden", behauptet Scheck. Der gelernte Steuerberater und Wirtschaftstreuhänder, der als Gründer der I-Online gemeinsam mit YLine-Chef Böhm groß in die New Economy einsteigen wollte, will sich sein ursprüngliches Geschäft sichern. Vom Börsengang der I-Online, der zum Jahresende geplant war, will Scheck nichts mehr wissen. Rund 1000 Steuerberater, 200 Apotheker sowie renommierte Treuhänder und Hausverwalter nutzen Softwareprodukte von I-Online.

Dass sich die Fronten zwischen YLine und I-Online verhärtet haben, ist auch daran zu erkennen, dass Scheck "seine" I-Online notfalls mit gerichtlicher Unterstützung vom weiteren Zugriff der YLine fern halten will. YLine-Chef Böhm sieht die Dinge anders und erklärte dem STANDARD, dass er von seinem Ex-Intimus "Fritz" die Einhaltung der Verträge erwartet.

Der Bulle läuft davon

Nicht mehr frei verfügbar sind für die YLine seit gestern die 900.000 Aktien von Blue Bull, die vor einer Woche an den US-Fond Navigator um 7,2 Mio. Euro (99 Mio. S) verkauft werden sollten. Blue Bull hatte diese 900.000 Aktien zur Sicherung einer Forderung in Höhe von 6,1 Mio. Euro an YLine abgegeben. Durch die Forderungsabtretung zwischen IBM und YLine, die IBM Mitte des Monats offen legte, müssen YLine-Schuldner künftig direkt an IBM zahlen. Die Blue-Bull-Papiere sind so lange auf einem Treuhanddepot geparkt, bis der Rechtsstreit YLine gegen IBM entschieden ist. (Thomas Jäkle, DER STANDARD, Printausgabe 30.8.2001)

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