NATO stößt in Mazedonien auf Ablehnung

30. August 2001, 22:35
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Hunderte Demonstranten vor dem Parlament - Slawische Politiker bezeichnen eingesammelte Waffen als "museales Kriegsgerät"

Skopje/Berlin - Mit ihrem Einsatz in Mazedonien stößt die NATO bei der slawischen Mehrheitsbevölkerung weiter auf Misstrauen und Ablehnung. Nach seiner Ankunft in Skopje sagte NATO-Generalsekretär George Robertson am Mittwoch, es gebe "sichtbare Beweise" für die Waffenabgabe der albanischen Rebellen. Mazedonische Regierungsvertreter sprachen dagegen von "museumstauglichem" Kriegsgerät, das von der albanischen "Nationalen Befreiungsarmee" (UCK) abgeliefert werde. Der deutsche Verteidigungsminister Rudolf Scharping deutete an, dass eine Verlängerung des auf 30 Tage befristeten NATO-Mandats möglicherweise notwendig sein könnte.

Demonstration

Mehrere hundert Demonstranten haben sich am Donnerstagabend zu Protesten vor dem Parlament in der mazedonischen Hauptstadt Skopje versammelt. Die Demonstration richtete sich gegen die geplante Sitzung der Abgeordneten am Freitag, auf der über die Annahme des Friedensplans für Mazedonien beraten werden soll. Die Polizei sperrte die umliegenden Straßen des Parlaments, wie Journalisten beobachteten. Die Protestierer haben angekündigt, die Sitzung am Freitag blockieren zu wollen.

Der zwischen den slawisch-mazedonischen und den albanischen Parteien vereinbarte Friedensplan sieht unter anderem eine Polizeireform, die Stärkung der albanischen Sprache sowie mehr kommunale Selbstverwaltung in den mehrheitlich von Albanern bewohnten Gebieten vor. Für die Verfassungsänderungen sind drei Lesungen vorgesehen, zu ihrer Verabschiedung ist eine Zweidrittel-Mehrheit der 120 Abgeordneten notwendig. Bisher haben die NATO-Truppen bereits deutlich mehr als ein Drittel der vereinbarten 3.300 Rebellenwaffen eingezogen und damit die Bedingung für den Beginn der parlamentarischen Beratungen erfüllt.

Die NATO sollte die von den Rebellen abgelieferten Waffen nach Ansicht des mazedonischen Museumsdirektors Gorgi Colakovski nicht zerstören. Diese Waffen hätten einen "historischen Museums-Wert", sagte Colakovski am Donnerstag örtlichen Medien. Deshalb sollten sie dem Städtischen Museum in Skopje überlassen werden, wo sich schon allerlei alte Trophäen aus dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg befänden. Ob dieser Vorschlag an die NATO ernst gemeint oder ob es eher Wasser auf die Mühlen jener Mazedonier sein sollte, die der Waffenabgabe der albanischen UCK-Rebellen noch misstrauen, blieb offen. (APA/AP/dpa)

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