Waffensammel- Aktion: Allianz zieht Zwischenbilanz

29. August 2001, 16:56
1 Posting

Bislang 1000 UCK-Waffen abgegeben - NATO- Generalsekretär Robertson vor Ort

Skopje - In den ersten drei Tagen der NATO-Mission in Mazedonien haben die albanischen Rebellen nahezu 1.000 Waffen abgegeben. Ein hoher britischer Offizier sagte am Mittwoch, zu den eingesammelten Rüstungsgütern im oberen dreistelligen Bereich gehörten auch Flugabwehrraketen, Panzerabwehrgeschütze, Mörser und Sturmgewehre.

Neue Politik, neues Mazedonien

Die Entwaffnung soll nach den Worten von NATO-Generalsekretär George Robertson den Grundstein für eine neue Politik auf dem Balkan legen. Es gehe nicht nur darum, die Gefahr des Bürgerkriegs zu bannen, sondern auch um die Grundlagen für "eine völlig neue Politik, ein neues Mazedonien der Zukunft", sagte Robertson nach Gesprächen mit Soldaten und einer Besichtigung bereits abgegebener Waffen in Krivolak.

Die Zahl der Waffen sei nicht der entscheidende Maßstab für den Erfolg der Operation "Essential Harvest", erklärte Robertson zum Streit über die Einschätzung des militärischen Potenzials der Rebellen. Entscheidend sei die Auflösung der Nationalen Befreiungsarmee (UCK) als bewaffnete Organisation. Als tragisch und unnötig bezeichnete der NATO-Generalsekretär den Tod des britischen Soldaten Ian Collins vom Montag.

Entwaffnung plammäßig fortgesetzt

Unterdessen setzten NATO-Soldaten die Entwaffnung planmäßig fort. In Brodec, nordöstlich der Stadt Tetovo, bildeten sich Warteschlangen von Kämpfern der Nationalen Befreiungsarmee (UCK), die ihre Waffen ablieferten. Die NATO will innerhalb von 30 Tagen 3.300 Waffen einsammeln - die mazedonische Regierung schätzt das Arsenal der UCK allerdings weit größer ein. Wenn die UCK ihren Teil des Friedensabkommens von Ohrid erfüllt, sollen im Gegenzug die Rechte der albanischstämmigen Minderheit erweitert werden.

Aus der NATO hieß es, die erste Runde der Waffensammlung sollte möglichst am Mittwoch abgeschlossen werden. Die Waffensammlung wurde bei der westlichen Stadt Gostivar fortgesetzt, sagte NATO-Sprecher Major Barry Johnson in Skopje. Die Rebellen hätten die Nacht über bis in den Morgen über 350 Waffen in den Bergen über Tetovo abgegeben.

In einem überwiegend von Albanern bewohnten Stadtteil von Skopje explodierte Mittwoch Früh ein Sprengsatz im Abfallbehälter eines Schulhofs. Verletzt wurde niemand.

Zu einer Schießerei mit KFOR-Soldaten im Kosovo kam es am Dienstagabend. In einem Waldgebiet habe jemand "NATO, Hilfe!" gerufen, berichtete Major Randy Martin, Sprecher der US-Truppen im Kosovo. Als die Soldaten nachsehen wollten, wurden nach seinen Angaben mehrere Schüsse auf sie abgegeben. Die KFOR-Soldaten erwiderten das Feuer. Etwas später wurden 32 aus Mazedonien über die Grenze gelangte Rebellen festgenommen. Die serbische Provinz Kosovo gilt mit ihrer albanischstämmigen Bevölkerungsmehrheit als Rückzugsgebiet der mazedonischen UCK. (APA/AP/dpa)

Share if you care.