NS-Entschädigungen: Versöhnungsfonds kämpft mit Säumigkeit Russlands

30. August 2001, 14:12
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Partnerorganisation übermittelt erst nach mehrmaligem Urgieren erste Liste

Wien - Der Versöhnungsfonds, der die Auszahlung der Entschädigungsgelder an ehemalige NS-Zwangsarbeiter abwickelt, kämpft mit der Säumigkeit der russischen Partnerorganisation. Mehrmals habe man die Übermittlung von Opferlisten urgieren müssen, erst vor rund zehn Tagen sei die erste Aufstellung übermittelt worden, erklärte Richard Wotava, Generalsekretär des Österreichischen Versöhnungsfonds.

Umso unverständlicher sei die nun von der Vorsitzenden der russischen Zwangsarbeiter-Entschädigungsstiftung, Ljudmilla Narussowa, im Rahmen des Forum Alpbach vorgebrachte Kritik, wonach Österreich noch immer nicht mit der Auszahlung an russische Zwangsarbeiter begonnen habe. Das Komitee des Versöhnungsfonds wird in seiner heutigen Sitzung übrigens die zweite Tranche der Geldanweisungen beschließen.

20.000 Menschen betroffen

2.700 Fälle umfasst die nun von der russischen Partnerorganisation übermittelte Liste. Rund 20.000 der insgesamt 150.000 noch lebenden ehemaligen NS-Zwangsarbeiter kommen aus diesem Land. Mit Anfang September werde die Stichprobenüberprüfung vorgenommen. Genauer ansehen werde man sich dabei rund zehn Prozent der Namen. Das könne in ein paar Tagen erledigt werden, so Wotava. Danach werde die Liste dem Komitee zur Beschlussfassung vorgelegt. Den Vorwurf Narussowas, "jeden Tag sterben hundert Menschen und erleben die Entschädigungen nicht mehr", kann Wotava daher nicht nachvollziehen. Er hält die Kritik Narussowas insgesamt angesichts der Säumigkeit der Russen für "eigentlich unglaublich".

Dem Komitee des Versöhnungsfonds wird Mittwoch Nachmittag die zweite Tranche der auszzuzahlenden Entschädigungen zur Beschlussfassung vorgelegt. Die erste Auszahlungswelle vom 31. Juli umfasste nach Angaben Wotavas 20.398 Personen. Angewiesen wurden dabei insgesamt rund 562 Millionen Schilling. Mit den - vorbehaltlich der Entscheidung des Kuratoriums am Nachmittag - dazu gekommenen weiteren 7.321 auszahlungsbereiten Fällen hält der Versöhnungsfonds damit nun bei 27.719 entschädigten NS-Opfern.

Insgesamt ist der Topf mit 5,994 Milliarden Schilling dotiert. Die Auszahlung erfolgt in verschiedenen Kategorien. 20.000 S erhalten ehemalige Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft, 35.000 jener in der Industrie. Der höchste Betrag von 105.000 S geht an ehemalige Sklavenarbeiter, also Zwangsarbeiter in Konzentrationslagern. Frauen, die als Zwangsarbeiterinnen ein Kind zur Welt brachten oder zu einer Abtreibung gezwungen wurden, erhalten zusätzlich 5.000 S. (APA)

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