'Nicht alles schön und gut'

29. August 2001, 13:54
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Mortier: "Ich bin im Konflikt gekommen und scheide auch so"

Salzburg - "Trotz Ärger und vieler Aufregungen gehe ich aus Salzburg bereichert weg. Ich habe in Salzburg viel gelernt. Ich bin im Konflikt gekommen und scheide auch so", so der scheidende künstlerische Leiter der Salzburger Festspiele, Gerard Mortier. "Trotz aller Unkenrufe werden wir heuer Höchsteinnahmen bei den Festspielen erzielen." Man liege bei den Einnahmen von rund 308 Millionen Schilling 14 bis 16 Millionen Schilling über der Planung, betont Mortier.

Die "Fledermaus" musste sein

Als künstlerische Höhepunkte seiner Intendanz nennt Mortier die Aufführungen von "Ariadne auf Naxos" und den "Figaro", mit denen er neue Richtlinien vorgeben wollte. Einiges sei auch nicht ganz geglückt gewesen wie beispielsweise die "Traviata". "Die 'Fledermaus' musste sein - allerdings nicht um an Salzburg oder Österreich Rache zu nehmen." Er wollte einfach nur aufzeigen, dass "nicht alles schön und gut ist" und nicht nur Harmonie vorherrsche, meint der Belgier.

Angesprochen auf seine vieldiskutierten angeblich bevorstehenden persönlichen Auftritte am letzten Tag der Festspiele, meint Mortier: "In 'Ariadne' trete ich sicher nicht auf. Und was die 'Fledermaus' angeht, ist noch alles offen."

Die Nummer 1

Auf seine Fahnen heftet sich Mortier, dass er einen Strukturwandel bei den Salzburger Festspielen herbeigeführt habe. "Wir sind wieder bei den Festivals die Nummer 1 geworden - sowohl was das Künstlerische und die Öffentlichkeit anlangt", ist der scheidende Intendant überzeugt.

Ein Konflikt bei den Salzburger Festspielen werde sich auch in Zukunft nicht vermeiden lassen, meint Mortier, der die zehn Jahre seiner Intendanz als die reichhaltigsten Jahre seines Lebens bezeichnet. "Entweder wird die Erneuerung bei den Salzburger Festspielen fortgesetzt, oder es gibt eine Rückkehr zum Erzkonservativen, wo sich das Publikum selbst zu repräsentieren versucht."

Das Intellektuelle nicht vergessen

Der scheidende künstlerische Leiter appelliert an seine Nachfolger, sie mögen berücksichtigen, dass das Intellektuelle nicht verloren gehen dürfe: "Salzburg darf nicht nur ein touristisches Zentrum sein, die intellektuelle Basis bei den Festspielen sollte erhalten bleiben."

Für seine künftige Arbeit im Ruhrgebiet hat sich Mortier viel vorgenommen: Er will bei der Ruhr-Triennale neue Inszenierungen zeigen, die ähnlich sein sollen wie beispielsweise die "Schlachten" bei den Salzburger Festspielen auf der Perner-Insel. Eine Zusammenarbeit mit Herbert Grönemeyer ist ebenso vorgesehen wie Ausstellungen. (APA)

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