Grüne fordern Finanzspritze für Wiener Pflichtschulen

29. August 2001, 12:44
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Jerusalem: 200 Mill. S der Stadt sollen Sparmaßnahmen "kompensieren"

Wien - Die Wiener Gemeinderätin Susanne Jerusalem (G) hat am Mittwoch in einer Pressekonferenz die Kürzungen im Wiener Pflichtschulbereich kritisiert. Laut ihren Angaben wird es im kommenden Schuljahr - das am Montag beginnt - zwar keine Kündigungen, aber doch 380 Lehrerposten weniger geben. Sie forderte die Wiener Stadtregierung auf, die "Sparmaßnahmen der Regierung zu kompensieren" und 200 Mill. S (14,5 Mill. Euro) für den Betrieb der Pflichtschulen zur Verfügung zu stellen.

Laut Jerusalem sind die Kürzungen dafür verantwortlich, dass es keine Mehrdienstleistungen (Überstunden) der Lehrer mehr geben werde. Außerdem stehe eine Anhebung der Klassenschülerzahl von durchschnittlich 22,7 auf 25 Kinder bevor. Bei Integrationsklassen müssen laut Grünen künftig vier behinderte Kinder in der Klasse sitzen - bisher seien es zwei bis drei gewesen. Durch die höheren Klassenschülerzahlen seien moderne Unterrichtsformen wesentlich schwieriger umzusetzen, betonte Jerusalem. Für Lehrer bedeute dies eine starke Mehrbelastung.

Auf Grund einer aktuellen OECD-Studie, der zur Folge Schüler in Österreich im Vergleich zu anderen EU-Staaten am längsten in der Schule sitzen, sprach sich Jerusalem für eine Reform aus. Demnach sollte es im Schulbetrieb unter anderem mehr Bewegung geben, mehr Pausen, zusätzlich Möglichkeit zu Eigeninitiativen, mehr Kreativität und eine verbesserte Begabungsförderung, - dagegen weniger Vermittlung von "Instant-Wissen". Es sei etwa zu überlegen, nach 35 bis 40 Minuten Unterricht, jeweils 20 bis 25 Minuten Pause einzuführen.

Rudolph empfiehlt FPÖ als "Anlaufstelle" für Eltern

Erfreut zeigte sich der Schulsprecher der Wiener FPÖ im Gemeinderat, Herbert Rudolph: Die Behauptung der Freiheitlichen, wonach alle Pflichtschullehrer weiter beschäftigt bleiben, sei richtig gewesen. "Die unappetitliche Angst- und Hetzpropaganda von Rot und Grün mit der vor allem Junglehrer in massive Existenz- und Zukunftsängste getrieben wurden, ist aber nicht vergessen", betonte Rudolph in einer Aussendung.

Der von der AHS-Lehrergewerkschaft propagierte Boykott von Skikursen und Sprachwochen wird laut FPÖ primär an Schulen mit "ausgewiesen roten Schuldirektoren" umgesetzt. Damit wird wieder einmal deutlich gemacht, wie die "politische Durchdringung" des Schulwesens von der SPÖ und der Gewerkschaft missbraucht werde, meinte Rudolph. Die FPÖ, so versprach er, werde Anlaufstelle für jene Eltern- und Schüler sein, die Schulskikurse oder Sprachwochen durchführen wollen, aber von den Lehrergewerkschaftern "daran gehindert" werden. (APA)

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