Tschechischer Außenminister: "Wir sind mit dem AKW zu nahe an der Grenze"

29. August 2001, 12:34
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"Dürfen Ängste nicht ignorieren"

Alpbach - Das umstrittene südböhmische Atomkraftwerk Temelin ist beim diesjährigen Europäischen Forum Alpbach überraschend von tschechischer Seite thematisiert worden. Der Außenminister Tschechiens, Jan Kavan, zeigte im Zuge einer Diskussionsrunde zur EU-Erweiterung "großes Verständnis" für die Sorgen und Ängste der österreichischen und deutschen Atomkraftgegner: "Die Bürger unserer beiden Nachbarländer haben ihre Sorge ausgedrückt und legitime Forderungen gestellt. Wir sind mit dem AKW Temelin zu nahe an der Grenze."

"Diese Ängste dürfen wir in der Tschechischen Republik keinesfalls ignorieren, allerdings darf die Diskussion nicht durch Drohungen seitens österreichischer Atomkraftgegner und Politiker blockiert werden", sagte Kavan. Das würde nur zu festgefahrenen Positionen führen, die eine weitere Entwicklung der Diskussion unmöglich machen würde. Kavan ging in seinem Statement aber nicht soweit, über ein eventuelles Ausstiegsszenario zu sprechen. (APA)

Der österreichische EU-Kommissar Franz Fischler ging in der Folge ebenfalls auf Temelin ein. Er erinnerte daran, dass es ohne die Gespräche zur EU-Erweiterung auf keinen Fall eine Diskussion über Temelin geben würde: "Ohne Erweiterungsprozess wäre auch der Melker Prozess nicht möglich." Fischler zeigte sich fest überzeugt, dass der Melker Prozess konstruktiv weiter diskutiert und zu einem positiven Abschluss kommen werde.
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