Alpbach: Industrie fordert "Fortbildungsoffensive" von Regierung ein

29. August 2001, 12:51
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IV-Mitterbauer: Regierung soll Bildungsfreibetrag von neun auf 20 Prozent erhöhen

Alpbach - Die Industrie fordert von der Regierung die angekündigte Fortbildungsoffensive ein: Der Anteil der Weiterbildung an den Gesamtausgaben für Bildung müsse bis 2005 von derzeit rund 5 Prozent auf 10 Prozent verdoppelt werden, forderte der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Peter Mitterbauer, am Mittwoch in Alpbach. "Die Dynamik des Reformdialogs lässt nach", konstatiert Mitterbauer. Die Bundesregierung müsse in dieser Hinsicht das Heft fester in die Hand nehmen, um das Erreichen der bis 2005 angepeilten Forschungsquote von 2,5 Prozent sicherzustellen.

Die Regierung müsse die Weiterbildung und das lebenslange Lernen, zu dem sie sich im Regierungsübereinkommen bekenne, "endlich vom Rand des Bildungssystems in das Zentrum holen", so Mitterbauer. Konkret fordert er eine Ausweitung des bisherigen Bildungsfreibetrages von 9 auf 20 Prozent für Unternehmen, für die Weiterbildung älterer Arbeitnehmer sollte es wie in den Niederlanden einen Freibetrag von 40 Prozent geben. Zudem sollte der Freibetrag auch auf von Unternehmen finanzierte externe Schulungen ausgeweitet werden.

Weiterbildung muss wichtiger werden

Zu den weitere IV-Forderungen zählen ein "klar definiertes Regierungsprojekt Weiterbildung mit einem Regierungsbeauftragten", der die Vorgaben des Regierungsübereinkommens umsetzen soll. Die Regierung solle einen jährlichen Weiterbildungsbericht erstellen, Unternehmen sollten mit steuerlichen Anreizen zu noch mehr Investitionen bewegt werden.

Die Industrie werde weiter ihren Beitrag zum Innovationsziel leisten, kündigte der IV-Präsident an, besonders durch Fortbildung in den Unternehmen selbst. In den vergangenen Jahren sei der Anteil der Wirtschaft und insbesondere der Industrie an den Investitionen in Forschung und Entwicklung auf 60 Prozent gestiegen. Auf regionaler Ebene nannte Mitterbauer die Wiener Biotech-Offensive, das Kärntner Standortabkommen, die oberösterreichische Technologieoffensive oder die InterregioStryria.

Unternehmen tragen Großteil der Kosten

Derzeit fließen österreichweit mehr als 33 Mrd. S (2,4 Mrd. Euro) in Weiterbildung, davon kommt mit rund 16 Mrd. S knapp die Hälfte von den Unternehmen, geht aus Daten des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) hervor. Aus öffentlichen Mitteln wie dem AMS stammen 10,4 Mrd. S, während die Teilnahmebeiträge der Erwerbstätigen gerade 6,8 Mrd. S ausmachen. Ein differenzierteres Bild ergibt sich aus einer ibw-Befragung von Wifi-Kursteilnehmern: Demnach trugen die Unternehmen mit 41 Prozent den Löwenanteil der Kurskosten. Die Fortbildungswilligen selbst kommen demnach für 38 Prozent der Kosten auf, 7 Prozent werden von von Teilnehmern und Firmen getätigt. Das Arbeitsmarktservice AMS steuert 8 Prozent bei.

Gemessen an den gesamten Personalausgaben in Höhe von 453 Mrd. S nimmt sich der Anteil der Aus- und Weiterbildungsaufwendungen mit 1,65 Prozent relativ bescheiden aus. Aus Sicht der OECD besteht in Österreich noch eine Lücke von 15 Mrd. S für Erwachsenenbildung. (APA)

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