Telekom-Verluste explodieren

29. August 2001, 18:33
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Fehlbetrag im Halbjahr steigt um 57,8 Prozent auf minus 35,5 Millionen Euro

Wien - Dank ihrer Mobilfunktochter Mobilkom ist die Telekom Austria (TA) im ersten Halbjahr 2001 mit einem blauen Auge davongekommen. Der Umsatz der TA-Gruppe ist mit 1,935 Milliarden Euro (26,36 Mrd. S) gegenüber dem Vorjahreszeitraum nur minimal gestiegen, der Verlust jedoch um 57,8 Prozent auf minus 35,5 Mio. Euro explodiert. Im zweiten Quartal vergrößerte sich der Fehlbetrag von 36,5 auf 45,8 Mio. Euro. TA-General Heinz Sundt führte das Ertragsplus bei Vorlage der Halbjahresbilanz am Mittwoch vor allem auf das Handygeschäft der Mobilkom und die Erlöse im Internet zurück. Im Kernsegment Festnetz, das beim Börsengang im Vorjahr als wichtigste Ertragssäule gepriesen wurde - die Emissionsbank CA IB nannte die Sprachtelefonie eine "Cash-Cow" -, verlor Österreichs Marktführer jedoch gehörig Marktanteile.

Heinz Sundt betonte, dass der Marktanteil Ende Juni inklusive Internet bei 58,8 Prozent gelegen sei und bis Jahresende nicht unter 50 Prozent sinken werde. Rechne man die Internetnutzung jedoch heraus, ergebe sich im Festnetz ein Marktanteil von 54 Prozent. Die Anfang Juli eingeführten neuen Tarife würden zu greifen beginnen, das verlangsame die Verluste. Den Eigentümervertretern ist dies jedoch nicht langsam genug, sie beobachten die Talfahrt mit Argusaugen.

Sorgenfalten

Sorgenfalten verursacht beim Eigentümer ÖIAG auch, dass die Telekom Austria AG (ohne Töchter und Beteiligungen) bei maßgeblichen Kennziffern weit hinter ihren eigenen Budgetzielen liegt und im schlimmsten Fall sogar der angestrebte Turnaround in Gefahr sei. Für TA-General Sundt gelten Budgetvergleiche aber nicht: "Wir orientieren uns ausschließlich an den Erwartungen der Finanzmärkte. Und diese erwarten von uns ein Ebitda von 1,2 Milliarden Euro." Das Management sei zuversichtlich, diese Erwartungen halten zu können.

Stirnrunzeln

Ein Stirnrunzeln ist auch bei den Kapitalvertretern zu sehen, weil die Kosten für Personalabbau und Umstrukturierung in Höhe von 18,3 Mio. Euro im Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Amortisationen eingerechnet sind. Die Aufwendungen seien aber im Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit enthalten, entgegnet die TA. Sogar über Plan liegt die TA beim Personalabbau. Per Ende Juni habe sich im Festnetzbereich der Personalstand um 1408 auf 13.187 Mitarbeiter reduziert. Bis Ende 2001 werde die Zahl auf 11.960 sinken, sagte Sundt. Wie berichtet, will die TA bis 2004 rund 5000 Mitarbeiter abbauen, den Großteil heuer. Im Konzern wird der Rückgang durch Zugänge bei A1 und im Internetbereich zum Teil egalisiert. Für Sundt stellt das Halbjahres_ergebnis insgesamt eine solide Basis für das Gesamtjahr dar. Die Telekom werde das geplante Ergebnisziel erreichen. An der Börse büßte die TA-Aktie 0,68 Prozent auf 7,33 Euro ein. (ung, DER STANDARD, Printausgabe 30.8.2001)

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