Pianistischer Weltenbummler Anatol Ugorski

28. August 2001, 20:15
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Der gefragte Solist bei der Schubertiade

Anatol Ugorski, dieser pianistische Weltenbummler, hat eine bewegende Geschichte hinter sich. Seit seiner viel beachteten Auswanderung aus der Sowjetunion 1990 ist er ein international gefragter Solist. Vom Flüchtlingslager führte sein Weg quasi direkt ins Salzburger Festspielhaus. Das war 1992, und sogleich hatte sich auch das deutsche Luxuslabel mit dem gelben Logo (die Deutsche Grammophon Gesellschaft) des Neuankömmlings angenommen.

Sympathisch war (und ist), dass Ugorski jegliches Stargehabe fremd ist. So wie Maurizio Pollini strebt er geradezu magnetisch angezogen dem Klavierhocker zu, beginnt oft noch in den Applaus hinein zu spielen. Mit anderen Wort: Ugorski zelebriert seine Kunst nicht, nebelt sie nicht mit Weihrauch ein. Deswegen klingt die Romantik, der er sehr zugetan ist, aber noch lange nicht nüchtern. Man erkennt bloß klarer die Struktur der Werke. Und das ist viel.


(DER STANDARD, Print, 29.8.2001)
Das Programm: J. S. Bach (Chromatische Fantasie und Fuge d-Moll, BWV 903); Franz Liszt (Sonate h-Moll); Franz Schubert (Sonate A-Dur, D 959)
31. 8., Angelika-Kauff-
mann-Saal, Hof 765, 6867
Schwarzenberg; (05576)
720 91; Schubertiade
16.00
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