ORF-Faxen fern der Logik

28. August 2001, 23:10
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Einige Fragen muss sich das Kanzleramt gefallen lassen, das Dienstag mehr als 200 Kandidaten für den ORF-Publikumsrat nannte. Mit Logik sind nicht alle zu beantworten.

Nicht weit kommt man mit Logik bei der Grundfrage: Warum das Spektakel einer Publikumswahl per Fax, wenn doch nur sechs aus 35 direkt gewählt werden? Weil man testen muss, ob's funktioniert, lautet die offizielle Linie. Weil man bei den sechs Mitgliedern, die der Publikumsrat in den wichtigen Stiftungsrat entsendet, nicht alle politische Kontrolle fahren lassen will, kann man dagegenhalten. Bei drei dieser sechs Stiftungsräte spricht die FPÖ von einem Gentlemen's Agreement mit der ÖVP: Die drei Stimmenstärksten der Publikumswahl müssten in den Stiftungsrat. Man wird sie an ihren Taten messen.

Nicht weit kommt man mit Logik bei den Religionsgemeinschaften: Römisch-katholische und evangelische Kirche, nicht aber die islamische als dritte große im Land, bestimmen einen Fixstarter für den Rat. Weder die Geschichte noch die Möglichkeit, in der Rubrik "Familie" Kandidaten für die Wahl aufzustellen, wie aus Regierungskreisen zu hören, rechtfertigen das.

Nicht unlogisch ist indes der Standpunkt, Werbe- und PR-Organisationen seien für die österreichischen Konsumenten nicht repräsentativ, weshalb deren Kandidaten vom Kanzleramt nicht anerkannt wurden. Ziemlich unlogisch indes, warum dann die Bundesinnung der Elektro-, Audio-, Video- und Alarmanlagentechniker sehr wohl für Konsumenten repräsentativ sein soll.

Keine Logik braucht es indes bei einer anderen Grundfrage: Welche Kompetenz bringt mancher der genannten Promis und Sportler mit? Damit taten sich auch viele der bisher vertretenen Funktionäre schwer. Und das Gremium selbst hat ohnehin kaum Kompetenzen. (Harald Fidler/DER STANDARD; Print-Ausgabe, 29. August 2001)

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