Duncan Smith will Vorsitzender der britischen Tories werden

28. August 2001, 19:37
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Britischer Anti-Euro-Hardliner

"Entschuldigen Sie mich bitte, aber ich muss mir einen diskreten Platz suchen, wo ich mir den Strick geben kann", soll ein Tory-Abgeordneter gesagt haben, als nach einem fraktionsinternen Knock-out-Verfahren Mitte Juli mit Iain Duncan Smith und Kenneth Clarke die zwei Schlusskandidaten im Rennen um den Vorsitz bei den Konservativen feststanden.

Der Rücktritt von Parteichef William Hague nach der Wahlschlappe im Juni hat nicht bloß die Suche nach einem Nachfolger erforderlich gemacht. Die Partei muss auch ihre ideologische Ausrichtung und deren Attraktivität für die Wähler infrage stellen, von denen ihr seit den 90er-Jahren rund sechs Millionen abhanden gekommen sind.

Thatcherismus oder Europa?

Duncan Smith oder Clarke, anders ausgedrückt: mehr Thatcherismus oder Europa, stärker hätte die ideologische Polarisierung kaum ausfallen können. Sie hat, wie der suizidäre Abgeordnete befürchtete, nun zu einer Schlacht geführt, die allgemein nur noch als Bruderkrieg bezeichnet wird. Dazu kommt das Thema Rassismus, das Duncan Smith nicht mehr loswird.

Dabei hätte sich der 47-Jährige gerne als ein so unspektakulärer wie geradliniger und prinzipientreuer Konservativer präsentiert. Eine ruhige, sachliche Kampagne wollte er führen, anstatt sich nun in einer vergifteten Atmosphäre zu andauernden Rechtfertigungen und Klarstellungen gedrängt zu sehen. Stets, heißt es, habe er beweisen wollen, dass die Politik, die sein Vater verabscheute, nicht zwingend niederträchtig sein müsse und zumindest manche in ihr Tätigen Respekt verdienten.

Armeekarriere

Wie dieser im Krieg ausgezeichnete Vater und der ebenfalls beim Militär aktive Großvater hatte auch Duncan Smith nach der Ausbildung in Sandhurst zunächst eine Armeekarriere verfolgt. Knapp vor dem Falkland-Krieg trat er allerdings aus und gelangte nach einem kurzen, von wenig Erfolg gekrönten Abstecher in die Geschäftswelt in die Politik.

Katholisch und wertekonservativ ist der Vater von vier minderjährigen Kindern - und überzeugt davon, dass letztlich der Mann die Frau zu erhalten habe. Wenn einige beklagen, dass er jedes Esprits entbehre, betonen seine Anhänger, dass man bei ihm einfach wisse, woran man sei. Mitreißende Reden sind von ihm so wenig zu erwarten wie intellektuelle Höhenflüge. Doch gerade in dieser Mittelmäßigkeit sehen Fans seine Attraktivität und lassen sich auch von seinem langjährigen Hinterbänklertum nicht abschrecken. Aus den hinteren Reihen heraus, sagen sie, habe er schließlich seine aufsehenerregende Anti-Maastricht-Kampagne unter Premier John Major geführt.

"Nie" werde er dem Euro zustimmen, hat er sich nun in einer TV-Debatte mit Clarke entlocken lassen. Das billigt auch die Mehrheit der Briten. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 29.8.2001)

Von Brigitte Voykowitsch
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    foto: der standard
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