Schlechter Dienst

28. August 2001, 19:30
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Kommentar von Günther Strobl

Wirtschaftsminister Martin Bartenstein ist ein Zerrissener. Als Eigentümervertreter des Verbundkonzerns ist er angehalten, dessen Interessen zu wahren und dafür zu sorgen, dass sich die Stromgesellschaft gut entwickelt. Als Minister, der noch lange in der Regierung bleiben will, denkt er aber auch an den nächsten Wahltermin. Und Wahlen erfordern immer auch: Zuckerln verteilen.

Ein paar Hunderter gespart

Ein Zuckerl glaubt Bartenstein schon in der Tasche zu haben. Es ist dies der niedrigere Strompreis, der ab Oktober ins Haus steht. Die wenigsten interessiert, warum die Stromrechnung niedriger wird, Hauptsache, sie sinkt. Zwar erspart sich der einzelne Haushalt nur wenige Hundert Schilling im Jahr, aber was soll's. Besser ein paar Hunderter als gar nichts.

Aufschlag von bis zu fünf Groschen

Fast nichts würde man sich an Stromkosten ersparen, wenn Bartenstein der Vernunft folgte. Dann müsste der Minister dem Verbund gewähren, was die EU-Kommission Ende Juli vorgemacht hat: die so genannten Stranded Costs, also die wegen der Strommarktliberalisierung unrentabel gewordenen Investitionen des Konzerns im Ausmaß von 6,3 Milliarden Schilling, anerkennen. Das würde aber nichts anderes heißen, als dass auf jede konsumierte Kilowattstunde ein Aufschlag von bis zu fünf Groschen verrechnet werden müsste. Schluss wäre es dann mit der laut angekündigten Senkung des Strompreises.

Barten erweist schlechten Dienst

Mit seiner Zerrissenheit erweist Bartenstein dem Verbund und dem Wähler einen schlechten Dienst. Schließlich gehört der Verbund noch immer zu 51 Prozent dem Staat. Auf politischen Druck hat der Verbund in der Vergangenheit Projekte realisiert, für die sich die jetzige Führung am liebsten in den Hintern beißen würde. Es wäre nur recht und billig, wenn dies nun auch abgegolten würde. (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe, 29. August 2001)

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